Wien. Der deutsche Autor Durs Grünbein beobachtete einmal seinen Kollegen Wolfgang Hilbig, als dieser in Berlin an ihm vorüberzog. Hilbig schien ein Manuskript in der Hand zu haben und "guter Dinge zu sein". Eine derartige Beobachtung ist nicht mehr möglich. Wolfgang Hilbig starb am Samstag 65-jährig an einem Krebsleiden.

Der Büchner-Preisträger hinterlässt ein sprachgewaltiges Werk, in dem die Welt selten "guter Dinge" ist. Vielmehr speist es sich aus den Finsternissen der DDR, aus düsteren Fabrikshallen und Heizungskellern, in denen der 1941 in Meuselwitz bei Leipzig Geborene selbst arbeitete.

Der Proletarier, der zur Feder griff, wurde von der SED mit wenig Wohlwollen beäugt. Denn kein Paradies der Werktätigen tat sich bei ihm auf, sondern bedrohliche und apokalyptische Beobachtungen des Alltags. Sein erster Lyrikband "Abwesenheit. Gedichte" konnte 1979 nur im Westen erscheinen.

1985 siedelte Hilbig in die Bundesrepublik über, doch kehrte er in seinem Werk immer wieder in die DDR und deren Abgründe zurück. Sein bedeutender Roman "Ich" handelt von einem Lyriker, der als Spitzel im Dienste der Stasi steht.

Doch auch der Westen bot keine Heimat. Der Roman "Das Provisorium" führt einen aus der DDR übersiedelten Schriftsteller vor, der sich in einer glitzernden Konsumwelt mit seinen Obsessionen und Alkoholexzessen isoliert wiederfindet. Die menschliche Existenz blieb das ganze Schaffen Hilbigs hindurch unbehaust.