Wenn das Müllwegwerfen Spaß macht: Steven Bais TetraBIN in Aktion. - © Scormust/CC BY-SA 4.0
Wenn das Müllwegwerfen Spaß macht: Steven Bais TetraBIN in Aktion. - © Scormust/CC BY-SA 4.0

Weggeworfene Papiersackerl, Plastikboxen, Zigaretten oder Kaugummis auf den Gehwegen - Müll in Städten ist ein großes Problem. Der australische Design-Künstler Steven Bai hatte einen genialen Einfall: Er umkleidete einen Mistkübel auf einer Einkaufsmeile in Sydney mit drei gewölbten Bildschirmen. Jedes Mal, wenn man ein Abfallfallprodukt in den Müllcontainer wirft, leuchtet dieser auf. Sensoren, die im Innern des Containers installiert sind, erkennen Größe und Form des Objekts und illuminieren in Echtzeit Lichtblöcke in der Optik des Gameboy-Klassikers "Tetris".

Die Passanten staunten nicht schlecht: Menschentrauben bildeten sich vor dem magisch wirkenden Mülleimer, Touristen machten Fotos, Kinder waren ganz begierig, Gegenstände wegzuwerfen. Aus einem profanen Mülleimer wurde ein Kunstobjekt, aus dem banalen Akt der Müllentsorgung ein Leuchtspektakel.

Tetris trifft Müll

Eine Treppe als Klavier: die "Piano Stair" in einer U-Bahn-Station in Santiago de Chile. - © Foto: Apaweb / afp / Martin Bernetti
Eine Treppe als Klavier: die "Piano Stair" in einer U-Bahn-Station in Santiago de Chile. - © Foto: Apaweb / afp / Martin Bernetti

Die Idee von TetraBIN, wie die Installation heißt, ist es, Menschen mit spielerischen Mitteln zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein zu animieren. Das Stichwort lautet Gamifizierung. Man schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen wertet man unansehnliche Stadtmöbel und damit den öffentlichen Raum auf. Zum anderen reduziert man im Idealfall den Müll. Das Konzept von Bais Start-up Sensity wurde auch in anderen Städten mit einer modifizierten Spielidee erprobt. In der New Yorker Variante etwa wurde der eingeworfene Müll auf dem Bildschirm als ein Hundeknochen visualisiert, mit dem man einen Hund füttern und dafür Punkte sammeln konnte.

Solche Anreizsysteme und persuasive Technologien sind aus der digitalen Welt bekannt, im physischen Raum aber noch weitgehend ungenutzt. "Unsere City-Hardware - Dinge wie Straßenlaternen, Bushaltestellen, öffentliche Toiletten und sogar Müllcontainer - sind wirklich sehr alt", sagte Designer Bai. "Wir wollen herausfinden, wie man die Infrastruktur und Hardware der Stadt so gestaltet, dass das Leben der Menschen besser wird." Man wolle Städte neu denken - als Betriebssystem.

Das Kultspiel Tetris feierte auch in Israel ein Revival: 2016 ließ die Stadtverwaltung von Tel Aviv auf der Fassade des Rathauses eine fast 3000 Quadratmeter große Leinwand mit 480 LED-Leuchten installieren. Passanten konnten auf dem Vorplatz mit einem mannsgroßen Joystick Reihen tilgen. Das Rathaus wurde zum überdimensionierten Gameboy. Am Londoner King’s Cross ließ sich an einem Springbrunnen das Kultspiel "Snake" spielen: Wer die App auf seinem Smartphone installierte, konnte mit seinem Handy die illuminierten Fontänen steuern und diese auf dem rechteckigen Feld zu einer Schlange anwachsen lassen. Die Idee war es, die Stadt mit digitalen Geräten interaktiv zu erleben und den formellen Nutzungsmöglichkeiten ein kreatives Moment entgegenzusetzen. Das Smartphone als Cursor.