Eislaufen war in Weimar bis dahin dem einfachen Volk vorbehalten. Die Weimarer Bürger, der Hof und der Adel reagierten entsetzt - alle bis auf den jungen Herzog, dem Goethe ein glühendes Vorbild war. Schnell wurde der Sport Mode und das Eislauffieber brach in ganz Weimar und Umgebung aus. Frohe Stunden auf dem Eis verbrachte Goethe auch in Gesellschaft der schönen Schauspielerin Corona Schröter. Seine spätere Ehefrau Christiane Vulpius begleitete ihn nach seiner legendären italienischen Reise auf die Eisbahn. Auf der gefrorenen Saale in Jena fuhr er mit seinem Freund Knebel. Goethe und der Botaniker August Carl Batsch machten beim Eislaufen Bekanntschaft. Nach seiner Rückkehr von der zweiten Schweizer Reise lief Goethe noch einmal in seiner Heimatstadt Frankfurt mit dem Herzog Eis. In Bad Homburg glitten sie im Schlosspark über den zugefrorenen Teich. Dabei versuchten sie, den hiesigen Landgrafen und seinen Hof zu diesem Sport zu animieren.

"Ins Wasser gefallen"

"Ohne Schrittschuh und Schellengeläut / Ist der Januar ein böses Heut", vermerkte Goethe in hohem Alter unter den Epigrammen (Spottgedichten) in "Jahraus, Jahrein". Bereits am 22. Januar 1774 - mit 24 Jahren - hatte er sich als junger Mann in Frankfurt auf den zugefrorenen Rödelheimer Wiesen vergnügt. Das heute Brentanopark genannte Areal ist neben dem Solmspark einer der beiden großen Parks im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. Dieses fröhliche Eislaufabenteuer mit Freunden verarbeitete er in "Dichtung und Wahrheit": "Ein sehr harter Winter hatte den Main völlig mit Eis bedeckt und in einen festen Boden verwandelt. Der lebhafteste, notwendige und lustig gesellige Verkehr regte sich auf dem Eise. Grenzenlose Schlittschuhbahnen, glattgefrorene weite Flächen wimmelten von bewegter Versammlung." Nicht immer blieb er unfallfrei: So notierte er, nachdem er am 17. Januar 1777 ins Eis eingebrochen war, in sein Tagebuch: "Ins Wasser gefallen" - bekanntlich eine nicht ungefährliche mögliche Komplikation auf dem Natureis.

Friedrich Gottlieb Klopstock erklärte Goethe bei einem Besuch in Frankfurt die korrekte Bezeichnung "Schrittschuh": "Da er aber an mir und meinen Freunden leidenschaftliche Schlittschuhläufer fand, so unterhielt er sich mit uns weitläufig über diese edle Kunst, (...) Wir sprachen nämlich auch auf gut Oberdeutsch von Schlittschuhen, welches er durchaus nicht wollte gelten lassen: denn das Wort komme keineswegs von Schlitten, als wenn man auf kleinen Kufen dahinführe, sondern von Schreiten, indem man, den Homerischen Göttern gleich, auf diesen geflügelten Sohlen über das zum Boden gewordene Meer hinschritte."

Klopstock gab Goethe Tipps für die besten Schuhe: "Nun kam es an das Werkzeug selbst; er wollte von den hohen hohlgeschliffenen Schrittschuhen nichts wissen, sondern empfahl die niedrigen, breiten, flachgeschliffenen friesländischen Stähle, als welche Schnelllaufen die dienstlichsten seien."