Das Problem ist aus der Welt geschafft, so scheint es - und doch fängt es genau deshalb an, eines zu werden. Denn vom Konflikt, vom Problem befreit, ist jegliche zwischenmenschliche Interaktion auch ihres Motors beraubt. Denn ein Manko der Evolution hat die digitale Welt noch nicht gelöst: dass sich der Mensch erst im Spiegel erkennen, sich als eine soziale Tatsache erst im Blick des Anderen und in der Auseinandersetzung mit ihm entwickeln kann. Fallen diese, den eigenen Horizont erweiternden Hürden weg, droht die Gefahr der Regression und auch der emotionalen Gleichschaltung, der Simulation von Leben anstelle von echter Lebendigkeit. Keimfreie Lust hat wenig Reiz. Sie bedeutet auch, nicht an Auseinandersetzungen wachsen zu können, aus Fehlern lernen zu können, sich im Extremfall in unterkühlter Harmonie gar nicht mehr entwickeln zu können - an- und miteinander.

Die gar nicht perfekte Perfektion

Glück hat sich oft als das Überwinden von Hindernissen herausgestellt und nicht als der Wegfall ebendieser. Und das gilt nicht nur für das soziale Miteinander - sei es in der Sexualität oder in freundschaftlichen wie familiären Beziehungen. In lustvolles Staunen versetzt uns oft weniger die technische Perfektion als die elektrisierende Reibung daran; der Überraschungsmoment bereichert nachhaltig mehr als präzise Planbarkeit. Nicht alles, was sich perfektionieren lässt, muss auch perfektioniert werden. Und technische Verbesserung hat sich in vielen Bereichen negativ auf die Lebensqualität ausgewirkt. An diesen vielleicht erst auf den zweiten Blick bestechenden Erkenntnissen wird sich nicht erst 2050 zeigen, wie es künftig um die Menschlichkeit - und damit letztlich die Menschheit - stehen wird. Das Streben nach Effizienz wird der Mensch aus seinem Evolutionscode nicht streichen können. Sehr wohl jedoch die (bisher durchaus bewährte) Gleichsetzung von Optimierung mit technischem Fortschritt.

Das allzu Menschliche nicht an Maschinen zu delegieren, sondern Technik in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen - das könnte aus dem oft stilisierten Kampf Mensch gegen Maschine eine positive Form der Symbiose schmieden. Zukunft ist dann nichts mehr, dem der Mensch hilflos ausgeliefert ist. Er hat sich ja die technischen Mittel geschaffen, sie nach seinen Wünschen mitzugestalten.