Die Neuen treten heuer ihren Dienst an: Eike Schmidt leitet das Kunsthistorische Museum. - © apa/Fohringer, apa/Techt, apa/Punz
Die Neuen treten heuer ihren Dienst an: Eike Schmidt leitet das Kunsthistorische Museum. - © apa/Fohringer, apa/Techt, apa/Punz

Wien.(irr/apa) "Je müder ich bin, umso lieber bin ich in Wien", hat Ernst Jandl gedichtet. Seine Zeilen verströmen noch heute eine stimmige Schläfrigkeit. Und doch sind der Wiener Gemütlichkeit im Jahr 2019 Grenzen gesetzt: Bei aller Liebe zum bedächtigen Savoir-vivre gilt es, dem Gebot des Wandels verstärkt Rechnung zu tragen, nicht zuletzt in der Kulturwelt: Endende Verträge, nahende Pensionen, aber auch ausbleibender Erfolg machen die Neubesetzung von Chefposten nötig.

Das Jahr 2019 sieht drei Neulinge in besonders namhafter Position. Im Frühling wird Christophe Slagmuylder versuchen, die Wiener Festwochen nach zwei durchwachsenen Saisonen von Tomas Zierhofer-Kin zu alter Glorie zu führen. Im September wiederum startet die erste Burgtheater-Saison unter Neo-Direktor Martin Kušej, und spätestens Anfang November wird Eike Schmidt die Generaldirektion des Kunsthistorischen Museums übernehmen; bis zu diesem Zeitpunkt wird Sabine Haag die Leitung des KHM-Verbandes innehaben. Auch im kaufmännischen Kulturbereich sieht man ein neues Gesicht: Thomas Königstorfer, bisher federführender Manager am Burgtheater, kehrt als Geschäftsführer ans Landestheater Linz zurück. Am Burgtheater wird ihn am 15. Jänner Robert Beutler beerben.

Fragezeichen im Volkstheater

Martin Kušej startet im Burgtheater.
Martin Kušej startet im Burgtheater.

Bereits am 1. Jänner trat die neue Chefin des Bundesdenkmalamts, Erika Pieler, ihr Amt an. Ihre Vorstellungen will die studierte Juristin und Archäologin, die davor am Bundesverwaltungsgericht arbeitete, bald in einer Pressekonferenz mit Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) erläutern. Ebenfalls für den Jahresbeginn geplant: Die wissenschaftlichen Leitungen der Albertina und des Technischen Museums werden neu ausgeschrieben. Die Verträge der Langzeitdirektoren Klaus Albrecht Schröder und Gabriele Zuna-Kratky laufen Ende 2019 aus. Letztere leitet das TMW seit 2000, Schröder steht seit 1999 an der Spitze des von ihm reformierten Hauses und wird sich wieder bewerben. Er möchte die (für Anfang Oktober geplante, aber wohl erst später erfolgende) Eröffnung der Albertina-Dependance im Künstlerhaus federführend leiten und danach auch den geordneten Betrieb.

Christophe Slagmuylder übernimmt die Wiener Festwochen. - © APA/HANS KLAUS TECHT
Christophe Slagmuylder übernimmt die Wiener Festwochen. - © APA/HANS KLAUS TECHT

Bereits am 10. Jänner soll die Ausschreibung für die Leitung des Volkstheaters Wien ab der Saison 2020/21 veröffentlicht werden. Entgegen früherer Annahmen dürfte der Text noch keine Vorentscheidung über die künftige Struktur enthalten - ob das Haus künftig im Repertoire- oder En-suite-Betrieb arbeitet, ob mit oder ohne Ensemble, wird sich weisen. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) hat ihre Entscheidung für Ende März 2019 angekündigt.

Zu diesem Zeitpunkt wird dann auch die neue Leitung der Kunsthalle Wien vor dem Dienstantritt stehen. 83 Bewerbungen sind eingegangen, zwei Drittel aus dem Ausland. Dabei geht es nicht nur um einen neuen Namen: Kaup-Hasler ließ durchblicken, dass sie einer Übersiedelung der bisher im Museumsquartier beheimateten Institution einiges abgewinnen könnte.

Auch im Klassikbereich stehen Veränderungen vor der Tür, allerdings erst für die fernere Zukunft. Staatsopern-Direktor Dominique Meyer bestreitet ab Herbst 2019 seine letzte Saison; im Herbst 2020 folgt ihm Bogdan Roščić nach. Ebenfalls erst Mitte 2020 wird Thomas Angyan die Leitung des Musikvereins abgeben, die er seit 1988 innehat. Über den Posten soll im ersten Quartal des laufende Jahres entschieden werden. Bis zum Sommer soll auch klarer sein, welcher Zukunft das im November eröffnete Haus der Geschichte Österreich (hdgö) entgegengeht. Demnächst soll ein Expertenteam präsentiert werden, das die angekündigte Evaluierung der Eröffnungsausstellung durchführt und sich mit Fragen des Standorts und der künftige Perspektiven befassen soll. Die räumliche Zukunft des Hauses, derzeit in der Neuen Burg untergebracht, scheint völlig offen.

Bereits gebaut ist dagegen die neue Landesgalerie Niederösterreich in Krems. Der spektakuläre Museumsbau von marte.marte Architekten wird von 1. bis 3. März mit einem Pre-Opening eingeweiht. Mit dem "Grand Opening" am 25. und 26. Mai startet der Ausstellungsbetrieb: vermutlich eines der Highlights des neuen Kunstjahres.