Wien. (irr) Trägt Thomas Drozda Mitschuld an dem Finanzskandal, der 2014 das Burgtheater erschütterte? 1998 bis 2008 war er kaufmännischer Direktor des Hauses; Anschuldigungen, dass die Bilanzen schon damals nicht den Fakten entsprachen, bestätigten sich bis heute nicht. Dazu ist allerdings anzumerken: Der Rechnungshof (RH) untersuchte in der Folge des Burg-Skandals nur die Geschäftsjahre 2009 bis 2014, nicht die Zeit davor. Der SPÖ-nahe Drozda wahrte sein Dignité und wurde 2016 als Kulturminister unter dem roten Kanzler Christian Kern angelobt.

Heute sind die Rollen anders verteilt: ÖVP und FPÖ stellen die Regierung, und sie wollen die Rolle Drozdas, nun Bundesgeschäftsführer der SPÖ, in der Burg-Causa präzise durchleuchten lassen. Am Dienstag haben sie im Nationalrat eine RH-Prüfung für die Geschäftsjahre 1999 bis 2009 eingeleitet. Die ÖVP spricht von einer "Aufklärungslücke", die es zu schließen gälte; FP-Klubobmann Walter Rosenkranz führt "massive Vorwürfe" gegen Drozda ins Treffen. Die FPÖ bezieht sich nicht zuletzt auf die Berichterstattung der Plattform "Addendum" aus dem Vorjahr. Ex-Burg-Direktor Matthias Hartmann - er war nach dem Finanz-Skandal entlassen worden - hatte dabei Anschuldigungen gegen Drozda erhoben und ein "vorsätzliches Wegschauen" der Politik moniert. Bilanzen seien bereits unter der Geschäftsführung von Drozda und dessen Nachfolgerin gefälscht worden, bevor seine Zeit am Haus begonnen hätte.

"Tatsachenwidrige Behauptung"

Drozda wies dies im Vorjahr als "tatsachenwidrige und rufschädigende Behauptungen" zurück. Eine Bilanzfälschung während seiner Zeit sei bereits Gegenstand einer anonymen Anzeige gewesen, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden aber eingestellt, erklärte Drozda. Er verwies auch auf eine 2008 durchgeführte Steuerprüfung, die keine Beanstandungen ergeben habe.