"Hallo, ihr Lieben! Heute machen wir Cornflakes und Schleim. Ich bin mega aufgeregt." Derart episch hebt eines der zahllosen YouTube-Videos von Viktoria und Sarina an. Viktoria hat schulterlanges, rosa gefärbtes Haar, die dunkelhaarige Sarina ist wie eine Barbie-Puppe geschminkt. Eine Szene in Plüsch und Pastell. Zehn geschlagene Minuten lang kann man miterleben, wie das Unternehmen "coolster Schleim" unter viel Gekicher ordentlich danebengeht. 1,5 Millionen Menschen haben den Clip bislang goutiert, inklusive endloser Kommentare und sehr vieler Emojis, hauptsächlich Herzen und Einhörner.

Die Ein-Millionen-Schallmauer an Zuschauern im Online-Ozean zu knacken, ist keine geringe Leistung; bereits ab 100.000 Followern spricht die Werbebranche von sogenannten Macro-Influencern (ab 10.000 darf man sich Micro-Influencer nennen). Viktoria und Sarina gehören zu den erfolgreichsten Bloggern aus Österreich. Spitzenverdienern wie der US-Beauty-Bloggerin Huda Kattan, 35, und der australischen Fitnesstrainerin Kayla Itsines, 27, folgen Fans in zweistelliger Millionenhöhe.

Knochenjob Influencer

Viele populäre Blogger haben schon früh mit dem Medium experimentiert - und leiten mit Anfang 20 bereits florierende Unternehmen. Eine Frage bleibt: Wie hält man sein Millionenpublikum bei Laune?

Glaubwürdigkeit und Authentizität sind beliebte Schlagwörter innerhalb der Blogger-Szene. Ein Teil der Faszination liegt offenbar darin, am sogenannten alltäglichen Leben anderer teilzunehmen. Wobei: Was ist eigentlich noch "echt" an inszenierten Instagram-Aufnahmen und aufpolierten Ratgeber-Blogs? Entscheidend in der profitablen Scheinwelt ist weniger "Aufrichtigkeit" als die Zuschreibung von Kompetenz und Identität: YouTuber als ideale Projektionsflächen. Viktoria und Sarina, die 20-jährigen Germanistikstudentinnen aus der Steiermark, Freundinnen seit Kindertagen, stellen seit einigen Jahren ihre Freundschaft gewinnbringend auf YouTube zur Schau - für ihre Follower sind die beiden ebenfalls zu virtuellen Gefährtinnen avanciert.

Der erstaunliche Erfolg gerade junger YouTuber ist untrennbar mit einem veränderten Medienkonsum verbunden. Bei Jugendlichen haben Online-Plattformen das Fernsehen längst als Zentralmedium abgelöst. Laut einer Studie von saferinternet.at nutzen über 80 Prozent der 11- bis 17-Jährigen regelmäßig YouTube; via Smartphone sind die Clips jederzeit abrufbar, durch die Kommentarfunktionen kann man mit den elektronischen Vorbildern sogar in Dialog treten - Auftakt zu einer neuartigen Form der Bindung. Für viele junge User ist YouTube daher zum Informations- und Unterhaltungsmedium schlechthin geworden. Für die aktiven YouTuber wiederum bedeutet das: Produzieren unter Hochdruck, nonstop Kommunizieren.