Paris. (bau) "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Diese harsche Kritik an einem allzu bequemen Bekleidungsstil wird wohl für immer als geflügeltes Wort des ikonischen Modedesigners Karl Lagerfeld weiterleben. Sein irdisches Leben musste der gebürtige Hamburger hingegen am Dienstag beenden, er starb nach Angabe seines Modelabels in Paris. Der stets mit schwarzer Sonnenbrille und weißem Zopf, steifem Vatermörderkragen und Ringen an jedem Finger auftretende Modemacher wurde selbst zur Ikone. Seinen fast schon maskenhaften Stil, zu dem früher auch ein Fächer gehörte, hatte er zu seinem Markenzeichen gemacht.

Privates ließ der Modezar hingegen gerne im Unklaren, nicht einmal sein Geburtsdatum war genau bekannt. Es kursierten 1938, 1925 und 1933. Heimatforscher mussten erst die Geburtsanzeige ausgraben, um den 10. September 1933 als wahren Geburtstag dingfest zu machen. Was Lagerfeld jedoch nicht davon abschreckte, sich 2008 zum 70. Geburtstag gratulieren zu lassen.

Karl Lagerfeld hat königliche Körper in Traumkreationen gehüllt und Outfits für Pop-Stars wie Madonna und Kylie Minogue entworfen. Der nach eigenen Angaben nicht einmal mit Abitur ausgestattete Künstler hat dennoch mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mitbestimmt. Mitte der 50er Jahre begann er in Paris, große Couture-Häuser wie Balmain, Patou, Chloe oder Fendi zum Erfolg zu führen. Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne, sagte Lagerfeld einmal in einem seiner zahlreichen Interviews. Als Kreativdirektor übernahm er 1983 Chanel - ein Wechsel, der für das französische Modehaus wegweisend war.

Der deutsche Modeschöpfer rüttelte die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf. Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute-Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm. Kollektionen unter seinem eigenen Namen entwarf er ab Mitte der 70er Jahre. Heute hinterlässt der Wahlpariser ein Modeimperium, dessen Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird. Seine Mode war elegant, minimalistisch und innovativ. Unvergesslich sind das kleine Chanel-Jäckchen, die tiefen Rücken-Dekolletees, seine Wollmäntel mit Gürtelschließe am Kragen. Lagerfeld hat klassische Formen erneuert und "Looks" geschaffen. Er schickte die schönsten Models über die Laufstege, darunter Claudia Schiffer, die er entdeckt hatte, und Ines de la Fressange.

Kritik an "Karl dem Großen"

Musen kamen und gingen, männliche wie weibliche, privat fand er sein Glück mit seinem Lebenspartners Jacques de Bascher, der jedoch bereits 1989 starb. Zuletzt war Lagerfeld schon länger ernsthaft krank gewesen. Er fehlte auf dem Laufsteg zum Finale einer wichtigen Chanel-Show, die er nie ausgelassen hatte. Lagerfeld habe sich "müde gefühlt", hieß es da auf besorgte Nachfrage.

Legendär waren hingegen Lagerfelds Aussprüche. Über seine Haut sagte er: "Ich gehe nicht mehr in die Sonne. Schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ich will nicht aussehen wie eine alte Schildkröte." Über seine Ausbildung sagte der Besitzer von 300.000 Büchern: "Ich habe ja im Grunde nie etwas gelernt."

Lagerfelds unermüdlicher Gestaltungswille beschränkte sich nicht nur auf die Haute-Couture. Für Aufsehen sorgte im Jahr 2004 seine Ankündigung, kostengünstige Mode für den schwedischen Discount-Modefilialisten H&M zu entwerfen. Lagerfeld war somit der erste Design-Kooperationspartner. Ihm folgten unter anderem Lanvin und Versace mit erschwinglichen Kollektionen.

"Karl der Große", wie in die französische Presse gerne nannte, musste auch Kritik einstecken, da er stets möglichst magere Models auf seinen Shows bevorzugte. Dabei wusste er selbst ganz genau, was Disziplin ist, hungerte er sich doch im Jahr 2000 ganze 42 Kilo herunter, um die schmal geschnittenen Dior-Homme-Anzüge tragen zu können.