Auf der Art Gen ve gestaltete Beni Bischoff "Nici’s Bar". - © Habres
Auf der Art Gen ve gestaltete Beni Bischoff "Nici’s Bar". - © Habres

Es war ein nobles Experiment. Ein Experiment, das letztlich gescheitert ist. Auf mehreren Ebenen. Vor 100 Jahren wurde im Kongress von Nebraska ein Beschluss verabschiedet, der es ermöglicht hat, in den gesamten Vereinigten Staaten die Produktion und den Verkauf von Alkohol zu verbieten. Die Prohibition - auch das "Noble Experiment" genannt - nahm ihren Anfang und war bis 1933 bundesweites Gesetz. Mit überraschenden Ergebnissen: Einerseits stieg die Kriminalitätsrate aufgrund illegaler Beschaffung an, andererseits förderte die Prohibition massiv künstlerisches Schaffen, das sich intensiv mit den Themata Alkohol und Flüsterbars ("Speakeasy") auseinandersetzte. Unzählige Drehbücher, Filme, Lieder, Bilder und Essays entstanden in diesen trockenen Jahren. Autorinnen und Autoren wie Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald oder die wunderbare Dorothy Parker machten in ihren Schriften die Verbindung von Kreativität, Freiheit, Liebe und Hass mit Alkohol zum Thema.

Magie der Nacht

Das Thema war in der Kunst selbstverständlich nicht neu. Man erinnere sich nur an das Fin de Siècle in Paris, als Henri Toulouse-Lautrec das wilde Leben in den Etablissements und Salons zeichnerisch verewigte. Oft unter dem Einfluss der "grünen Fee", wie der Absinth so farbenfroh umschrieben wurde. Auch von Paul Gaugin, Pablo Picasso oder Vincent van Gogh sind zahlreiche Werke erhalten, die sich den Salons, den American Bars und dem vermeintlichen Teufelszeug Absinth widmeten.

Den jahrzehntelangen Versuchen, mit Verboten und Restriktionen den Genuss von Alkohol und damit seinen Einfluss auf künstlerisches Schaffen zurückzudrängen, waren kein Erfolg beschieden. Selbst heutzutage, in einem Zeitalter, das massiv auf Verbote setzt, üben die Magie der Nacht, die liquiden Verführungen des Nachtlebens sowie die damit verbundenen Ereignisse Einfluss auf bildende Künstlerinnen und Künstler aus. Wenn auch mit unterschiedlichen konzeptuellen Zugehensweisen. Einige aktuelle Beispiele kreativ-liquider Nachtschichten.

Der Messestand war nicht einfach zu finden: Der Zürcher Galerist Nicola von Senger hat vergangene Woche seine Präsenz bei der Art Genève dem Themenfeld "Bar" gewidmet. Der Künstler Beni Bischoff gestaltete die kleine, etwas versteckte "Nici’s Bar". Im schummrigen Ambiente konnten Gäste am Tresen Drinks genießen, die musikalischen Favoriten des Galeristen hören und Zeichnungen, Fotos oder kleine Skulpturen des Künstlers, die für Ausstattung des Lokals verwendet wurden, erwerben. Eine einzigartige wie mutige und vielbeachtete Messepräsentation.