Der Schachtelsatz, der am kommenden Montag auf Anregung des deutschen Cartoonisten und Bloggers Bastian Melnyk gefeiert wird, mit einem anderen deutschen Ausdruck Bandwurmsatz genannt, der Schachtelsatz nämlich, nicht der Cartoonist und Blogger Bastian Melnyk, und der, gemeint ist abermals der Satz, auf Griechisch Hypotaxe heißt, stellt gewissermaßen ein Äquivalent zu den Matrjoschki dar, diesen russischen Holzfiguren, die Sergei Wassiljewitsch Maljutin, ein russischer Maler und Architekt, 1890 nach einem japanischen Vorbild gestaltet hat, den Puppen also, bei denen eine in der anderen steckt und die sich bei Touristen großer Beliebtheit erfreuen, wenn sie nicht wissen, was sonst sie aus Russland mitbringen könnten, was Aussicht hat, länger haltbar zu sein als eine Flasche des geruchsfreien Schnapses, der aus Getreide hergestellt und Wodka genannt wird, was, übersetzt, "Wässerchen" bedeutet, die möglicherweise schon auf dem Flug, sofern dieser in wetterbedingte Turbulenzen gerät, oder dann auf dem Flughafen ausgetrunken wird, wenn das Gepäck, wie es bisweilen vorkommt, wenn das zuständige Personal unachtsam gewesen ist oder die Aufkleber falsch gelesen hat, verloren gegangen ist, kann unter Umständen so kompliziert sein, dass man auch in der eigenen Muttersprache die Grammatik zuhilfe nehmen muss, um durch die Reihen von Wörtern und Sätzen durchzufinden.

Na bitte, das war doch gar nicht so schwierig, wobei "schwierig" möglicherweise das falsche Wort. . . - Menschenskind, bitte nicht noch einen!

Völlig richtig, zumal ja der erste, Hand aufs Herz, ein ziemliches Konstrukt ist: Ein Satz, noch einer, der ein Wort des Satzes erklärt und eine weitere Erklärung an einem Wort der Erklärung aufhängt, und jetzt Schluss, weil sonst wirklich noch ein Schachtelsatz herauskommt.

Schachtelsatztrauma im Lateinunterricht

Ganz bestimmt hat Bastian Melnyk den Schachtelsatztag lustig und ironisch gemeint. Aber wie so oft bei lustig und ironisch gemeinten Dingen: Der Kern hat schon seinen Ernst, und der wächst sich bisweilen zum Horror aus. Zum Beispiel im Lateinunterricht in der Mittelschule. Wer einen solchen genossen hat, wobei "genossen" vielen als das falsche Wort erscheinen mag, erinnert sich vielleicht noch: "Den nächsten Satz macht der. . ." Dann hat man im Sekundenbruchteil des Zögerns, das der Lehrer gebraucht hat, um sich klar zu werden, welchen Delinquenten er nennen wird, fieberhaft vorausgeschaut, wo denn beim nächsten Satz der Punkt ist, aber es hat nichts genützt, der eigene Name ist aufgerufen worden, noch ehe man beim dritten Beistrich war. Bei Caesar und Cicero konnte man wenigstens überleben, wenn man rechtzeitig Subjekt und Prädikat fand, aber Tacitus hat nicht nur "sine ira et studio" gegen Nero angeschrieben, er muss auch, in zorniger Vorausschau, etwas gegen die Schüler gehabt haben, die seine Texte übersetzen müssen. Vielleicht ist der Mann ja, als er selbst noch das scamnum scholae, also die Schulbank drückte, mit ellenlangen gotischen Sätzen gequält worden.