Am Anfang sollten die Augenbrauen nur den Stirnschweiß aufhalten. Und jetzt sorgen sie für den Schweiß des Grübelns. Da sitzt sie vor dem Schminktisch. Eigentlich wollte sie ihr goldglitzerndes Paillettenkleid mit dem tiefen, aber gerade noch eleganten Dekolleté als Letztes anziehen. So verlangt es ihr Ritual, bevor sie auf einen Ball geht. Doch heute sie ist unschlüssig. Sie beäugt sich im Spiegel: Die Grundierung schimmert golden, Smokey Eyes sind perfekt. Die Lippen rot, aber nicht zu sehr. Die Augenbrauen? Sie sind die geduldete Behaarung, die das Gesicht definiert, die ihm seinen Charakter verleiht. Geschwungen? Buschig? Breiter zeichnen? Schmäler zupfen? Schwarz oder braun? Bleichen für blond? Oder natürlich belassen? Wäre sie eine vornehme Römerin von seinerzeit, würde sie überlegen: Ziege oder nicht? Und als Fürstin des Barock könnte sie auch Maus über dem Auge tragen. Wenn sie doch nicht so eine Perfektionistin wäre! Für sie ist das eine Sache des Stils, die gleich nach der Auswahl der Garderobe kommt - und, nicht zu vergessen, der Frisur. Und das nicht erst heute: Seit der Antike beschäftigt, vergnügt und verwundert die Augenbraue die Menschheit.

Die Verschönerungsmethoden zählen zu den ältesten Kulturtechniken überhaupt. Sie unterliegen einem historischen Wandel und sind gleichzeitig ein politisches Statement. Allein das Ignorieren und die Naturbelassenheit der Augenbrauen kann, bewusst eingesetzt, ein gesellschaftliche Aussage treffen - gleichzusetzen mit dem Tragen oder Rasieren der Achselhaare. Gestaltet, verbessert und verschönert hat die Menschheit ihren Körper von Anbeginn ihres Bestehens. Es hat den Anschein, als würden diese Eingriffe immer massiver und komplizierter. Dabei hat die Geschichte der beiden kleinen Haarbüschel, die sich zufällig mitten im Gesicht befinden, ganz komplikationslos und vor allem mit wenig Zeitaufwand begonnen.

- © Illustration: Adobe stock/alisared
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Die Monobraue ist schon bei Griechen und Römern gefragt

So trägt es sich zu, dass sich im alten Ägypten sowohl Frauen als auch Männer ihre Brauen komplett rasieren, um sie danach mit dunklen Strichen nachzuziehen. Die Büste der Nofretete (1345 v. Chr.) zeigt zusätzlich noch schwarz umrandete Augen. Die Ägypter mixen die Farbe dafür aus Ruß und Eisenoxid. Die Griechen der Antike hingegen färben ihre Brauen dunkel, um sie dicht wirken zu lassen. Auch die Monobraue, zwei Jahrtausende später das Markenzeichen der Malerin Frida Kahlo, ist schon bei Griechen und Römern gefragt. Auch gibt es Augenbrauenperücken - sie sind aus Ziegenhaar und werden mit Baumharz dort aufgeklebt, wo aufgrund der Verwendung von giftigem Bleiweiß als Hautaufheller keine Haare mehr wachsen.