Jetzt ist der Fasching auch schon fast vorbei. Das hebt die Laune beträchtlich. Fünf Tage dauert die angesagte Fröhlichkeit noch. Dann wird das Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet und das verordnete Lachen weicht der verordneten Einkehr. Wobei weder das eine noch das andere heutzutag’ hoch im Kurs steht, zumindest nicht in der Stadt - oder genauer: zumindest nicht in Wien.

Wien ist die Faschingsmuffelmetropole. Und jetzt komme man bitte nicht mit den paar Faschingsumzügen für Kinder und den Bällen. Fasching ist Narretei. Ein Faschingsnarr ist einer, der von 11. November bis Aschermittwoch närrisch ist - hoffentlich mit ernsthaften Pausen. Bälle nimmt naturgemäß als närrisch der Nichttänzer. Oh, wie gut man ihn versteht! Aber es ist nicht Sinn und Zweck des Balls, närrisch zu sein. Zwischen einem kölschen Karnevalsumzug und selbst einem Bonbonball bestehen Unterschiede, die, könnte man sie Klavier spielen, einen glatt zum neuen Horowitz machen würde.

Man merkt es ja schon an den Faschingsgrüßen. Für ganz Wien sind gerade einmal sechs bezirksbezogene verzeichnet, und man erdrossle, bitteschön, den Boten nicht mit einer Faschingsgirlande, der meldet, dass diese Grüße in höchstem Maße der Originalität entbehren. "Mei-mei-Meidling" zum Beispiel wäre allenfalls ein amüsanter Gruß, wenn er für Alsergrund oder Favoriten stünde. In Döbling gibt es immerhin eine Faschingsgilde, ihr Gruß lautet Do-dö-bling-bling. Man kriegt sich da schier nicht ein vor Lachen, und der Währinger Gruß "Ring-ring-Währing" kann ernsthafte Verletzungen des Zwerchfells verursachen, oder nicht? Fehlt nur noch für Bäckereien Kra-kra-Krapfen und für Wein- und Spirituosenhandlungen Se-se-Sekt.

Der Fasching und die Unesco

Abgesehen davon: Schon einmal in Döbling in einem Laden mit "Do-dö-bling-bling" gegrüßt? - Ein schiefer Blick ist garantiert, und eventuell erntet man die Frage: "San S narrisch wuan?" Ja, eigentlich genau das. Bis zum nächsten Mittwoch.

In den Bundesländern schaut das ganz anders aus. Da zählt der Fasching noch etwas. Ranna-ranna sagt man in Oberkappl, Lei-lei in Villach, und Rante-putante im osttirolischen Sillian hat fast etwas von Konkreter Poesie. Ja, in den Bundesländern gibt es nicht nur haufenweise Faschingsgrüße, sondern sogar richtige Faschingsbräuche, manche davon uralt. Der Ebenseer Fetzenzug, dessen Teilnehmer alte, mit Lumpen benähte Frauengewänder und kunstvoll geschnitzte Holzmasken tragen, hat es sogar ins Unesco-Weltkulturerbe geschafft. Auch an anderen Orten gibt’s Faschingsumzüge, deren Lustigkeit mit aller Ernsthaftigkeit angegangen wird, und der Villacher Fasching ist sowieso legendär und sogar fernsehtauglich.