Der Faschingsdienstag ist heuer der 5. März. Gerda und Olivia hätten Namenstag, aber in den meisten Tischkalendern sind sie verdrängt vom Höhepunkt der Närrischkeit. Sogar in ganz seriösen Betrieben und sogar in Wien hatte man vor etlichen Jahren noch komisch sein wollende Hütchen auf und eine rote Knollennase auf die eigene gesteckt und die Wangen rot angestrichen. Heute machen das nur ein paar wenige Geschäfte, und den Angestellten liest man an den Gesichtern ab, welch ungeheuren Spaß sie daran haben.

Wobei der Fasching und, wie er andernorts heißt, der Karneval uralte Wurzeln haben. Bei den Mesopotamiern waren nach dem Neujahrsfest einige Tage lang Sklaven und Herren gleichgestellt, die Griechen feierten ihren Gott Dionysos in einem ausgelassenen Fest namens Apokries, und die Römer kehrten in den Saturnalien zu Ehren von Saturnus, dem Gott der Aussaat, die Standesunterschiede um: Sklaven wurden Herren, und die Herren mussten ihre Sklaven bedienen.

Festkönige und Narrenpäpste

Bei den Gelagen wurden Festkönige gewählt (sozusagen die Faschingsprinzen der Antike). "Feuchte Tage" nannte Martial die Zeit, denn der Alkohol floss in Strömen, und alle Schranken fielen - auch die von Sitte und Anstand. "Io Saturnalia!" war so quasi der Faschingsgruß der Römer während dieser inszenierten Anarchie. Das Fest brachte die Staatsgeschäfte in einem derartigen Ausmaß zum Erliegen, dass ein Autor anmerkte, es ginge in dieser Zeit rein gar nichts, wofür es Vernunft brauche. Allerdings waren die Römer rational genug, die Saturnalien auf die Tage vom 17. zum 23. Dezember zu begrenzen. Später wurden sie bis 30. Dezember prolongiert.

Aus Saturnalien und Fruchtbarkeitsbräuchen der Kelten und Germanen dürfte sich dann im Mittelalter der Karneval entwickelt haben. Ganz gesichert ist das nicht. Die mittelalterlichen Narrenfeste mit ihrer Verhöhnung der Kirche, ihren Kinderbischöfen und Eselsmessen samt einem Narrenpapst wurden von der Kirche teils geduldet, nämlich dort, wo sie stark war, und dort, wo sie sich in Bedrängnis fühlte, höchst ungern gesehen.

Die Protestanten bekämpften die "Mummerei", die in England denn auch in Vergessenheit fiel. Auf dem Kontinent hingegen hielt sie sich nicht nur auf katholischem Terrain - denn was wäre etwa die Schweiz ohne ihre Fasnacht?

Ob Fasnacht, Fastnacht, Karneval oder Fasching: Allen Ausdrücken ist gemeinsam, dass sie auf die kommende Fastenzeit verweisen. Karneval kommt von "carne vale" - "Fleisch, lebe wohl!", was übrigens auch das griechische "Apokries" bedeutet, während sich der Fasching vom "Fastenausschank", dem letzten Besäufnis vor der Fastenzeit herleitet.

Da wäre doch glatt ein Gesamtwiener Faschingsgruß drin: Glu-glu-gluck.

Schlimmer wird auch die Fastenzeit nimmer!