Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt vom Himmel, und C. J. Parker läuft mit ihrer Rettungsboje durch Graz, um sich in die Fluten des Stadtparkbrunnens zu stürzen. Nun ja, nicht ganz. Doch dass die ehemalige Baywatch-Blondine Pamela Anderson tatsächlich der steirischen Landeshauptstadt einen Besuch abstattet, sorgt für ungläubiges Staunen und diverse Tagträume bei den 90er-Millennials, die mit der Bademeister-Serie aufgewachsen sind. Da sitzt sie also im wenig glamourösen Ambiente des Forum Stadtpark, um die Welt zu retten und nebenbei auf die Eröffnung des "Elevate" einzustimmen. Als dieses Festival für Kunst und Politik 2005 erstmals an den Start ging, war Baywatch seit einigen Jahren Geschichte und Pamela Anderson beherrschte mit ihren Beziehungen - darunter Mötley-Crüe-Schlagzeuger Tommy Lee und Pöbelrocker Kid Rock - die Schlagzeilen. Wer hätte damals gedacht, die Dame einst Seite an Seite mit dem Philosophen Srecko Horvat und der Politikerin Daniela Platsch zu sehen, um über Klimawandel, Tierschutz und Politik zu diskutieren?

Traditionelle Probleme

Offensichtlich ist in diesen 15 "Elevate"-Jahren viel passiert, auch wenn sich einige Dinge wohl nie ändern werden. Natürlich begann die Eröffnung im Grazer Orpheum mit der obligatorischen Verspätung von einer halben Stunde, und wie immer sorgten diverse technische Probleme für Heiterkeit. Diesmal erwischte es Alexander Van der Bellen, dessen Video-Grußbotschaft zwei Mal ohne Ton abgespielt werden musste, was ein wenig an einen Maschek-Sketch erinnerte. Dabei hatte der Bundespräsident zum diesjährigen Festival-Thema "Truth" einige interessante Gedanken, indem er etwa davor warnte, dass die Erosion der Wahrheit durch Fake News bewusst in Gang gesetzte Prozesse seien, um die Demokratien zu schwächen: "Noch nie war es so einfach, Fake News so schnell zu verbreiten und begeisterte Anhänger zu finden." Das Thema zog sich durch den gesamten Eröffnungsabend, für welchen Kulturstadtrat Günter Riegler das richtige Geschenk mitbrachte. Er überreichte den Veranstaltern Daniel Erlacher, Roland Oreski und Bernhard Steirer das Buch "Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" von Paul Watzlawick.

Mit aktuellen Themen und einem breiten Spektrum zwischen zeitgenössischer Kunst und politischem Diskurs hat das "Elevate" anderen eingesessenen Festivals in der Steiermark längst den Rang abgelaufen. Um dies zu unterstreichen, wurde in diesem Jahr besonderer Wert auf ein Kunstprogramm im öffentlichen Raum gelegt. Das offensichtlichste Beispiel dafür ist die Installation "Liquid Truth": Gemäß der antiken Redeweise, nachdem die Wahrheit eine "Tochter der Zeit" sei, wird der Uhrturm mit einem digitalen Sekundenzeiger aufgerüstet. Daneben werden die Twitter-Hashtags zu #fake und #truth in Echtzeit abgefangen und auf das Wahrzeichen der Steiermark projiziert, was im Rahmen der Eröffnung auch gleich ausprobiert wurde (und Elevate-unüblich sogar funktioniert hat).