Streikende Schüler

Gewohnt hochkarätig präsentiert sich das Musikprogramm, das bis 3. März auf acht Bühnen Musik "an den Schnittstellen von Technohedonismus, Free-Jazz, Avantgarde-Rock und Neuer Musik" präsentiert, wie die Veranstalter sagen. Das Düsseldorfer Elektronik-Urgestein DAF ("Tanz den Mussolini", "Der Räuber und der Prinz") sowie die Noise-Rocker von Sunn O))) sind dabei nur die bekanntesten Namen auf dem Billing.

Bei der Eröffnung stand jedoch der Diskurs als dritte tragende Säule des Festivals im Mittelpunkt. Nachhaltig wirkte dabei der Auftritt der "Fridays for Future"-Schüler, die sich auf die Schwedin Greta Thunberg berufen und in der Steiermark ebenfalls Proteste für eine aktivere Klimapolitik organisieren. Eher konfus geriet hingegen der Auftritt des Alternativen Nobelpreis-Gewinners Nnimmo Bassey aus Nigeria, der zwar gut gelaunt Bob Marley rezitierte, ansonsten jedoch eine schlichte Botschaft hatte: "Nur gemeinsam sind wir stark und können die Zukunft gestalten, die wir haben wollen." Schwierig bei einer Gesellschaft, die den Individualismus hochhält und immer mehr auseinanderdriftet. Komplexe Botschaften hatte schließlich auch der Hauptstar des Abends keine anzubieten. Immerhin machte Pamela Anderson keinen Hehl daraus, dass sie "keine besondere Ausbildung" genossen habe und nur ihrer Leidenschaft folge. Nicht nur optisch erinnert sie dadurch immer mehr an Brigitte Bardot, die sich mit zunehmendem Alter ebenfalls dem Tierschutz verschrieben hat.

Doch im Gegensatz zur Französin setzt Anderson auf den sanften Protest - sie wolle nur ein wenig helfen und Menschen dazu bewegen, ihr Bestes zu geben: "Die Leute reden über meine Boyfriends und Hupen, also kann ich die Bekanntheit auch für andere Dinge nützen." Woraus sie am Ende die schöne Botschaft ableitete: "Activism is sexy and we can make it fun!" Somit bleibt das "Elevate" auch im Jubiläumsjahr in seiner eigenen, selbst gestrickten Wohlfühlblase. Und das ist ein Problem für ein Festival, das sich den Diskurs auf die Fahnen geheftet hat - denn dieser findet aufgrund weitgehend gleichgetakteter Positionen schlichtweg nicht statt. Wie würde die Diskussion bei Rednern aus anderen Lagern wohl aussehen: Peter Schröcksnadel, Alice Weidel oder - Gott bewahre - Stephen Bannon?