Wien. (cb) "Unprätentiös, fröhlich und intellektuell" - mit diesen Attributen hat Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler ihre Wahl der neuen Leitung für die Kunsthalle am Mittwoch präsentiert. Es ist eine Premiere geworden, erstmals wird ein rein weibliches Kollektiv die Führung einer Wiener Kunstinstitution übernehmen. WHW heißt es, das steht für "What, How & for Whom" und besteht aus Ivet Curlin, Nataa Ilic und Sabina Sabolovic aus Zagreb.

WHW wurde 1999 gegründet, seit 15 Jahren führt es in Zagreb die Galerie Nova. Das Kollektiv machte bei der Istanbul Biennale 2009 von sich reden, als es als Kuratorenteam für eine 50-Prozent-Quote von Künstlerinnen sorgte. Auch in Österreich war WHW bereits tätig, unter anderem 2011 beim damals von Kaup-Hasler verantworteten Steirischen Herbst, wo das Kollektiv eine "Zweite Welt" entworfen hat. Außerdem kuratierten die Frauen in London und Antwerpen, Prag, Madrid, Hongkong und New York Ausstellungen.

Nachdem der bisherige, glücklose Direktor Nicolaus Schafhausen, vorzeitig das Ruder mit Ende März abgegeben hat, mussten rasch Nachfolger gefunden werden. WHW wird die Arbeit ab Juni 2019 aufnehmen. Die Stadträtin sieht das führungslose Interregnum von zwei Monaten unproblematisch, da das Programm dieses Jahres ohnehin steht.

Halle als Produktionsort

Das Programm, dass sich Curlin, Ilic und Sabolovic für die Zukunft vorgenommen haben, wurde am Mittwoch nur rudimentär umrissen. Vor allem soll die Kunsthalle stärker als Produktionsort etabliert werden. Dabei könne man durch Aufträge auch internationale Projekte und Zusammenarbeiten anstoßen und bei der Produktion, bei der Ausstellung und bei der Vernetzung Hilfe leisten. "Nach unserer Erfahrung schätzen Künstler diese Art von unterstützender Struktur sehr." Inhaltlich dürfte sich der Fokus, nicht zuletzt der Herkunft von WHW geschuldet, sich von westlicher Kunst in den mittel- und osteuropäischen Raum verlagern. Grundsätzlich wurde aber angekündigt, dass die Wiener und österreichische Szene wieder stärker eingebunden werden soll und eine Balance zwischen lokalen und internationalen Szenen angestrebt werden soll.

Die herrschende politische Situation der Polarisierung wird für WHW ein antreibender Kunstmotor sein, gleichzeitig habe man sich aber vorgenommen, "positive Geschichten zu erzählen". Nicht nur so will man auch neues Publikum erschließen, sogar die Laufkundschaft vom Museumsquartier als Loungezone wird da angepeilt.

2017 zählte die Kunsthalle 77.157 Besucher, von den neuen Leiterinnen erwartet sich Veronica Kaup-Hasler schlicht: "Mehr." Dass dabei auch der Standort der Kunsthalle ein Hemmschuh sein könnte, war bei der Personalfindung ein wichtiges Thema: Unter den Bewerbern der Endrunde hätten "alle gesagt, dass dieser Standort ein guter ist, aber gleichzeitig ein hochproblematischer." Eine Abkehr vom Museumsquartier ist aber vorerst weiterhin nur eine "Gedankenoption".

Mit der Ernennung eines Kollektivs als Leitungsteam folgt die Stadträtin übrigens einem Zeitgeist-Trend: Auch die Documenta in Kassel wird in Zukunft von einem Kollektiv verantwortet.