Wenige Tage, bevor Graz als Kulturhauptstadt Europas 2003 seine Aktivitäten beendet, tagt in der steirischen Landeshauptstadt noch das Europäische Kulturparlament. Rund 60 Künstler und Kulturschaffende aus 35 Ländern sind noch bis 28. November in Graz. Zum Auftakt am Mittwoch erklärte Landeshauptfrau Waltraud Klasnic: "Dieses Treffen ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass wir an einer Drehscheibe leben."

Unter den Teilnehmern sind die russische Autorin Anna Politkovskaya, der italienische arte povera-Bildkünstler Michelangelo Pistoletto, der bosnische Filmregisseur Danis Tanovic und der englische Gründer des Medici Quartetts, Paul Robertson.

Das Europäische Kulturparlament ist eine Vereinigung, die sich als "Forum für Künstler" versteht. Der Verein wird zwar vom Europarat in Straßburg unterstützt, ist aber unabhängig und unpolitisch. Seine Aufgaben sieht das "Parlament" darin, Debatten zwischen Musikern, Theatermachern, Schriftstellern, Historikern, Philosophen oder Architekten anzuregen und zu ermöglichen.

Die Themen des zweiten Treffens sind unter anderem "Kreativität und kreative Milieus in Europa" sowie "Kultur als Konfliktverhütung". Etwa die Hälfte der Mitglieder kommt aus Osteuropa. "In Zukunft sollen auch ganz junge Künstler berücksichtigt werden", so Botschafter Kar-Eril Norrman vom Europäischen Kulturparlament.

Indessen hat der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl Genua als neue Kulturhauptstadt Europas "gesegnet". Bei einer von der Erzdiözese von Genua organisiertem Veranstaltung traf Nagl den Bürgermeister von Genua, Giuseppe Pericu, und öffnete somit symbolisch die Feierlichkeiten in Genua, das Graz als "Kulturhauptstadt Europas" ablöst. Nagl zeigte sich über den Erfolg der in Graz organisierten Veranstaltungen zufrieden. Graz sei zur dritten Tourismusstadt Österreichs nach Wien und Salzburg aufgerückt. Auch der Bischof der Diözese Graz-Seckau, Egon Kapellari, lobte die Initiativen in der Kulturhauptstadt. "Graz ist nun lebendiger. Die Kultur darf jedoch nicht nur als Kunst, sondern vor allem als Leben betrachtet werden", betonte der Bischof.

Der Bürgermeister von Genua erklärte, dass Genua sich gewissenhaft auf seine Rolle als "Kulturhauptstadt 2004" vorbereitet habe. Überall in Genua wird derzeit gebaut und renoviert, um Museen und Ausstellungsräume herauszuputzen. Die ligurische Hafenmetropole hofft auf hunderttausende Besucher. Höhepunkt des Mega-Events ist eine große Rubens-Ausstellung im Palazzo Ducale.