Ja schau, die Frau Barbie. Auch nimmer gar so jung. Heute hat sie ihren 60. Geburtstag. Andererseits: In dem Alter noch so ausschauen - das möcht’ bald einer. Da sieht man halt, Plastik hält.

Ist die Barbie jetzt eigentlich mit dem Ken zusammen? Sie hat ihn ja auf die mieseste Weise betrogen. Sieben Jahre lang war sie mit einem Surfer zusammen. Mit einem Surfer, bitteschön. Ein Australier war das namens Blaine. Wie man nur Blaine heißen kann! Natürlich sei es der Barbie gegönnt gewesen, Australien hat Reize, Wombats zum Beispiel und Wellen, auf denen man als Surfer herrlich reiten kann. Man braucht ja wirklich nicht immer gleich an Krokodile und Steinfische und Irukandji-Quallen zu denken.

Außerdem ist es gut ausgegangen - für Ken. Für Blaine weniger. Nach sieben Jahren, am Valentinstag, hat Ken seine Barbie wieder im Arm gehalten. Dem Blaine sind die Wellen geblieben, die Wombats und die Quallen.

Jetzt dürften sie wieder richtig zusammen sein, die Barbie und der Ken. Das Alter macht ruhiger. Aber man weiß nie. Wenn jetzt zum Beispiel ein orangehaariger Entertainer namens Donnie auftauchen würde. . . - besser gar nicht erst daran denken!

Aber man sieht schon den Unterschied zwischen einer Barbie-Puppe und einer normalen Puppe: Die Barbie hat ein Leben. Damit hat die Barbie eine Revolution in der Puppenwelt losgetreten, inklusive feministischer Hasstiraden, die bis heute anhalten, aber eines nicht verhindern können: Die 29,2 Zentimeter große und 206 Gramm schwere Plastikblondine gehört zu unserer Popkultur wie die Coca-Cola-Flasche und die Andy-Warhol-Marilyn. Apropos: Der Popart-Papst war ein begeisterter Barbiepuppensammler, und ihm ist es mit Sicherheit nicht um Ersatzerotik mit einer überweiblichen Frauenpuppe gegangen.

Das nämlich ist der Hauptvorwurf: Barbie sei eine Puppe, die das männliche Schönheitsideal widerspiegle, ihre Maße entsprächen der Männerfantasie 99-46-84 Zentimeter, das Gesicht sei das einer Miss-Irgendwas, Hauptsache blond. Die Barbie gäbe den Mädchen ein Rollenmodell vor, das durch männliche Begehrlichkeiten definiert sei. Als ob sich eine Barbie-Puppe damit von den weiblichen Hollywood-Stars unterscheiden würde. Zumal der Ausgangspunkt für die Barbie ein geradezu gegensätzlicher war.

Ausgetüftelt wurde sie nicht von einem sabbernden Konsortium alter weißer Männer, sondern von Ruth Handler, die zusammen mit ihrem Mann Elliott und mit Harold Matson im Jahr 1945 die Spielzeugfirma Mattel gegründet hatte. In einer Auslage in Luzern entdeckte sie eine Bild-Lilli, eine Puppe nach dem Vorbild eines Comic, das in der "Bild"-Zeitung erschien. Die Bild-Lilli war eine 30 Zentimeter große Ankleidepuppe, an der man modische Kleidung en miniature ausprobieren konnte. Die Bild-Lilli wanderte in die USA aus und wurde Barbie, mit vollem Namen Barbara Millicent Roberts.