Eine Buchmalerei zeigt Maximilian als Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies. - © Nationalbibliothek
Eine Buchmalerei zeigt Maximilian als Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies. - © Nationalbibliothek

Die Letzten ihrer Art sind selten glanzvoll. Vielleicht wäre es daher geboten, Kaiser Maximilian I. nicht als "letzten Ritter" zu bezeichnen, sondern als "ersten Renaissance-Kaiser". Die Nationalbibliothek widmet dem bedeutenden Habsburger zu seinem 500. Todestag eine umfangreiche Ausstellung im Prunksaal, in der man schauend und lesend stundenlang versinken und das Heute draußen vergessen kann.

Kuratorin Katharina Kaska verzichtet in schöner Nationalbibliotheks-Tradition auf allen neumodischen Schnickschnack, es gibt keine vorgeblich interaktiven Schiebewände, keine Mitmach-Stationen für den Besucher. Diese angenehm unaufgeregte Ausstellung hat etwas vom Frontal-Unterricht in der Schule, sie ist informativ und wer sich für Geistesgeschichte interessiert, wird sie sogar spektakulär finden.

Aufbruch in neue Zeiten

Maximilian I. ist Kaiser einer Zeitenwende: Als er am 22. März 1459 in Wiener Neustadt geboren wird, herrscht noch das Mittelalter. Bei seinem Tod am 12. Jänner 1519 auf Burg Wels ist die Neuzeit längst angebrochen: Amerika ist entdeckt und der Seeweg nach Indien - und, die wahrscheinlich größte Errungenschaft, Bücher können jetzt gedruckt werden. Das Wissen ist nicht mehr auf Adel und Klerus beschränkt, es hält im Bürgertum Einzug. Hand in Hand damit geht ein beispielloser Aufbruch von Wissenschaft und Kunst in Zusammenhang mit der Rückbesinnung auf die Antike: Die Renaissance bringt frische Luft.

Natürlich kann diese Entwicklung nur rückwirkend, gleichsam aus einer Position des weiterentwickelten Wissens, so wahrgenommen werden. Den Zeitgenossen teilt sich das nicht mit. Dennoch sind die Entwicklungslinien an Maximilian abzulesen, und sie sind in der Ausstellung wohl dokumentiert: Als Bub muss er Griechisch und Latein lernen (die Lehrbücher sind zu sehen), anhand von Buchmalereien und Berichten erkennt der Betrachter, dass Maximilian mit seinem Hochhalten der als edel empfundenen Jagd und ritterlicher Kampfkünste tief im Mittelalter verwurzelt ist.

Doch nur ein, zwei Vitrinen später: Karten und Reiseberichte, Amerigo Vespuccis Buch "Neue Welt", ein prachtvoller Codex mit mehrstimmigen Messen, eine Lautentabulatur, Vertonungen der Oden des Horaz in quantitierender Metrik - die Lust am Experiment ist ja charakteristisch für die Kunst der Renaissance.

Die Resultate der Erforschung des Himmels füllen dicke Bände - halb ist es bereits Astronomie, halb noch die ältere Astrologie. Die Horoskopgläubigkeit Maximilians ist auch noch mittelalterlich, sein intellektuelles Umdeuten ungünstiger Sternkonstellationen hingegen zeigt ihn auf dem Weg zur Selbstbestimmung des modernen Menschen.

Krieg und Wissensspeicher

Der vorausschauende Heiratspolitiker offenbart sich in Dokumenten, der Kriegsherr Maximilian in der Zeichnung einer Scharfmetze, der modernsten Kanone ihrer Zeit: Als erster Europäer blickte er weit über seine Stammländer hinaus und stellte sich den blutigen Eroberungszügen der Osmanen mit Waffen, aber auch mit Verhandlungen entgegen, was eine prächtige Buchmalerei im "Tiroler Fischereibuch" belegt.

Und überhaupt die Bücher als Speicher des Wissens: Ihnen maß Maximilian einen besonderen Wert bei. Seine Bibliothek von Schloss Ambras ließ er nach Wien bringen, wo sie zu einer der tragenden Säulen der heutigen Nationalbibliothek wurde.

Wie dieser Herrscher eine Brücke schlägt zwischen den Zeiten, so geht der Besucher der Ausstellung zwischen den Zeiten umher, ist eben noch bei mittelalterlichem Kampfsport und gleich darauf bei einer gelehrten Disputation, ob Schach nicht doch ein Glücksspiel ist. Wer da wohl etwas zu oft schachmatt gesetzt worden ist? - Und ob am Ende gar der Kaiser, vermeintlich glücksbegünstigt, der Sieger war?