Vorsicht: Das Buch wirkt mit seinen vielen Fußnoten und Quellenangaben auf den ersten Blick wissenschaftlich-trocken. Dennoch ist es sehr lesenswert. Denn der Münsteraner Kirchenhistoriker Arnold Angenendt behandelt darin nicht nur sachlich und fundiert, sondern ebenso spannend ein bis heute brisantes Thema: die Haltung einer Religion zur Gewalt.

Wer sich vom Islam abwendet, hat in den Augen vieler Muslime sein Leben verwirkt. Ähnlich wurde ein Abfall vom Glauben im Alten Testament beurteilt. Im Christentum gebietet das Jesus-Wort "Lasst beides wachsen bis zur Ernte" aus dem Matthäus-Evangelium einen anderen Umgang mit Abtrünnigen und Häretikern. Der Mensch soll nicht richten, auch nicht die mit Unkraut verglichenen Frevler, sondern warten, bis der Herr sein Urteil fällt.

Dieser Toleranzgedanke gehört zum Kern des Christentums, wurde aber in christlichen Gesellschaften oft nicht beherzigt. Auch namhafte Theologen wie Augustinus und Thomas von Aquin oder die Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin hatten kein Problem mit der Todesstrafe für Abweichler.

"Es war der linke Flügel der Reformation, der die absolute Gewaltlosigkeit in Religionsdingen von Neuem einforderte und damit zur modernen Toleranz überleitete", schreibt Angenendt, der seinen Streifzug durch die Geschichte mit dem Hinweis auf den Alltag unseres Lebens beendet, "wo es gilt, dass wir täglich unser Unkraut ertragen".

Sachbuch

Lasst beides wachsen bis zur Ernte . . ." - Toleranz in der Geschichte des Christentums.

Arnold Angenendt

Aschendorff Verlag, 243 Seiten, 18,40 Euro