Man muss schon sagen: Es gibt kuschligere Tiere. Kein flauschiges Teddyfell, nur borstige graue Haut. Keine knuffigen Häschenohren, sondern schwerfällige Flattersegel. Keine putzigen Welpenpratscherl, sondern ausgewachsene Gigantostampfer. Und dann noch dieser rätselhafte Rüssel. Vieles spricht also eigentlich dagegen, und trotzdem hat der Elefant ein bemerkenswertes Image bei kleinen Menschen. Denn in Büchern und Filmen, die sich an ein Kinderpublikum wenden, ist er überraschend prominent vertreten.

Kommende Woche kommt etwa die Neuverfilmung eines Dickhaut-Klassikers in die Kinos: "Dumbo". Edelhorror-Spezialist Tim Burton hat, so lässt es der Trailer vermuten, eine düstere Fabel aus dem berühmten Disney-Zeichentrickfilm von 1941 gemacht. Und das liegt sogar nahe, wenn man sich die Essenz der Geschichte genauer ansieht: Ein Baby-Elefant wird wegen seines Aussehens gemobbt von den anderen Zirkus-Kollegen. Als seine Mutter ihn verteidigt, wird sie weggesperrt, und er ist noch einsamer als ohnehin schon. Er gerät in schlechte Gesellschaft, Drogen und so. Halluzinationen sind die Folge übermäßigen Substanzenmissbrauchs, der auch dazu führt, dass er sich aus großer Höhe stürzt. Immerhin fällt ihm rechtzeitig ein, dass er die einst so inkriminierten, überdimensionierten Ohren hat, mit denen sich trefflich durch die Luft segeln lässt.

Disneys Ur-Dumbo, aus der Zeit geplumpst

Klingt gar nicht unbedingt nach Kinderfilm. Worüber pastellige Disneyzeichner-Pinselstriche nicht alles hinwegtäuschen. Elefanten im Zirkus wird man heutzutage nur mehr selten finden, auch sonst ist der alte Zeichentrickfilm ein Kind seiner Zeit - sprich, kann heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht mehr ganz standhalten. So mancher findet, es könne kaum ein Zufall sein, dass die für eine der üblichen Musiknummern eingesetzte schwarze Krähen-Band mit rauchiger Jazzstimme und lockerer Hüfte an damals übliche rassistische Stereotype erinnert und ihr Leadsänger sogar Jim heißt - Jim Crow galt im 19. Jahrhundert als Synonym für das (nicht nett gemeinte) Klischee des tanzenden, singenden Sklaven. Die Rassentrennungsgesetze, die bis 1965 galten, hießen Jim-Crow-Gesetze.

Aber "Dumbo" ist nicht der einzige Elefant für Kinder, der erwachsene politische Bedenkenträger beschäftigt. Auch das französische Kinderbuch "Babar, der Elefant" geriet vor wenigen Jahren ins Kreuzfeuer. Das Buch von Jean de Brunhoff erzählt die Geschichte eines verwaisten Elefanten - wie sich die Bilder ähneln, hier wird die Mutter gar von Großwildjägern erschossen -, der von einer alten Frau "adoptiert" wird und wie ein Mensch aufgezogen wird, inklusive grüner Anzug mit Mascherl. Als junger "Mann" kehrt er zurück in seine Heimat, wird Nachfolger des Königs und gründet eine Stadt, in der die anderen Elefanten auch Anzüge verpasst bekommen und wie Menschen leben.