Zeit verlieren - Zeit schenken

Und immer die Angst, Zeit zu verlieren: "Zeit gewonnen, alles gewonnen; Zeit verloren, viel verloren", heißt es in Japan und in Frankreich: "Die verlorene Zeit fängt man nie wieder ein." Zeit ist unwiederbringlich. Zumindest bisher vermag der Mensch sie nur in Science-Fiction-Romanen und Filmen zu beherrschen und Zeitreisen zu unternehmen.

Man nimmt sich Zeit, man hat Zeit oder man hat keine Zeit - wie oft sagt man das, ohne sich klarzumachen, was es bedeutet, das kostbarste Gut, nämlich ein Stück Lebenszeit, für etwas zu beanspruchen oder auch, nichts davon hergeben zu wollen. Kann man einem lieben Menschen ein größeres Geschenk machen, als Zeit für ihn zu opfern? Um wie viel leichter fällt es gerade in unserer mit Berufs- und Freizeitaktivitäten vollgerammelten Zeit, ein Geschenk mit möglichst wenig Zeitaufwand im Internet zu ordern, als Zeit füreinander zu finden.

Irgendwann denkt man sich dann in einem besonders schönen Moment, man möchte die Zeit anhalten - und landet unversehens in einem Paradoxon: Denn für welche Zeitdauer kann man Zeit anhalten, wenn man mit dem Anhalten der Zeit auch die Zeitdauer aufhebt? Könnte eine Schrödinger-Zeit, entsprechend der zugleich toten und lebendigen Katze, zugleich fließen und stillstehen?

"Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin", ätzte Mark Twain. Die Zeit fließt unaufhaltsam. Jeder lebt in ihr, jeder geht mit ihr um, und doch kann sie niemand fassen. Sie ist physikalische Dimension und Mysterium. Gedenken wir ihrer, wenn wir vermeinen, eine Zeitumstellung sei ein Eingriff in die Zeit.