Die junge Frau sitzt im Schneidersitz auf der Sitzecke und ist ganz genau so gekleidet, wie man es von einer Siebzehnjährigen erwartet, die nicht gerade eine Rebellion gegen ihre Eltern und die Gesellschaft ganz allgemein in ihrem Outfit ausdrückt. Sie spricht langsam, überlegt, mit unverkennbarem schweizerischen Akzent: "Wenn man das eigene Denken ändert", sagt sie, "ist alles plötzlich ein Wunder", verkündet sie auf YouTube. Oder, bei einem Tagesseminar in Erding: "Wir sind alle als Seelen auf diesen Planeten hergekommen, um Spuren zu hinterlassen. Für das sind wir hier, nicht, um roboterisiert zu werden. Das waren wir schon lange, und die Erfahrung war für etwas gut."

Christina von Dreien gilt als spirituelles Wunderkind. Man hat sie schon als neue Uriella bezeichnet - Uriella, das war die im Februar gestorbene Gründerin der "Fiat Lux"-Sekte, die überzeugt war, die Menschheit würde beim bevorstehenden Weltende von unbemannten Raumschiffen gerettet werden.

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Christina von Dreien mag’s vielleicht kitschig, und manche ihrer Botschaften mögen esoterisch verbrämte Gemeinplätze sein - irr sind sie deshalb noch lange nicht alle: "Die Menschen verhalten sich heutzutage auf der Erde wie in einem Spiel, in dem sie die Spielanleitung verloren haben", heißt es auf ihrer Homepage, und: "Friede ist kein plötzlicher Zustand, der einfach so entsteht. Friede ist eine Entscheidung. Von jedem einzelnen Menschen, sich ausweitend auf alle Länder." "Weil ich Mensch bin", schreibt Christina von Dreien, "ist Liebe meine Religion, ist Wahrheit mein Leben, ist Freiheit mein Recht." Das könnte ebenso gut ein Paulo Coelho zusammengeschwurbelt haben. Auch der hat seine Anhänger und lebt recht ordentlich vom Verkauf seiner Weisheiten.

Schöne neue Welten

Freilich nähert sich Christina von Dreien laut der Evangelischen Informationsstelle relinfo auch Verschwörungstheorien wie einer Bibelfälschung durch dunkle Mächte im Jahr 550 nach Christus, üblen Einflüssen Außerirdischer und einer Medienverschwörung. Auch die Wissenschaft scheint ihr suspekt zu sein.

Im Hintergrund managet Christinas Mutter Bernadette Meier: Zwei Bücher hat sie bereits über ihre Tochter geschrieben, beide verkaufen sich glänzend und schaffen es auf Amazon in die Fünfeinhalb-Sterne-Wertung.

Das It-Girl der Esoterik-Szene, wie der Schweizer "Blick" sie nennt, scheint alles richtig zu machen: Sie hat keine Ambitionen, als Sektenführerin aufzutreten, und sie distanziert sich von Fake-Heilern, die in ihrem Namen agieren. Ja, gewiss, es ist ein Riesengeschäft, was sie macht: Knapp 11.000 Euro soll sie, wird kolportiert, bei einen einzigen dreistündigen Vortrag in Basel eingenommen haben. Und ihre Vorstellungen der neuen Welt, die die derzeitige ablösen wird, mögen sich kurios ausnehmen: Dort hört man mit 35 Jahren auf zu altern, man kommuniziert per Telepathie statt mit dem Handy, und es gibt auch wieder Dinosaurier, allerdings sind das jetzt alle Veganer.