Wie muss man sich das eigentlich vorstellen? - Man setzt die Tarnkappe auf und ist auf einen Schlag unsichtbar? Oder zerrieselt man langsam? Und funktioniert das nur bei Menschen oder bei allen Lebewesen? - Vielleicht sogar bei Steinen? Legt man die Tarnkappe über einen Kiesel - ist der dann unsichtbar?

- © nangreenly
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Und wie ist das auf einer Zeitungsseite? Tarnkappe darübergelegt. Mal sehen, ob und wieder weggezogen. Ja, es dürfte funktioniert haben. Und überhaupt: Wie schaut so eine Tarnkappe aus auf einer Skala von eins bis zehn, wenn eins die Zipfelmütze ist und zehn die Krone des Heiligen Römischen Reichs?

Fragen über Fragen, wahrhaftig. Sicher ist nur eines: Heute ist der internationale Tag der Unsichtbarkeit. Und da darf man sich ganz simpel die Frage stellen: Traum oder Albtraum?

Ein Traum, und noch dazu ein uralter, ist die Unsichtbarkeit vor allem im martialischen Bereich. Wie schön wäre es, einem Gegner Hiebe versetzen zu können, ohne selbst in Gefahr zu laufen, Treffer einstecken zu müssen.

Tarnen und täuschen

Siegfried, der Haudrauf aus dem "Nibelungenlied", der hat solch eine Tarnkappe - also, "besessen" ist nach heute gültiger Rechtsauffassung fraglich, weil er sie ja dem Zwerg Alberich weggenommen hat. Übrigens war das keine Kappe, sondern eine cappa, also ein Umhang. Ist ja auch irgendwie logischer: Man zieht einen Umhang über sich, und was unter dem Umhang ist, verschwindet. Ein anderer Tarnkappenträger war König Laurin, auch er ein Zwerg, aber immerhin deren Herrscher. Eine Tarnkappe in Helmform haben die Zyklopen für den Unterweltgott Hades geschmiedet, und auch Perseus hat einen Tarnhelm besessen.

Auch die modernen Mythen und phantastischen Erzählungen spielen mit der Unsichtbarkeit: In J.R.R. Tolkiens "Herr der Ringe" etwa macht der Ring der Macht unsichtbar (und zieht das Böse an), und J.K. Rowlings Harry Potter hat einen Tarnumhang - nicht zu reden von den klingonischen Unsichtbarkeitstechniken, mit denen sie, naturgemäß Böses im Schilde führend, ihre Raumschiffe vor den Augen der "Enterprise"-Besatzung verbergen.

Über etwas Derartiges würden die Militärs schon in der Gegenwart und Realität gerne verfügen. Sich zu tarnen, präsent zu sein, aber vor den Augen des Feindes verborgen - das wünscht sich jeder Stratege. U-Boote sind solch eine scheinbar unsichtbare Waffe, und ganz am Ende des sogenannten Dritten Reichs glückte den Brüdern Horten die Konstruktion eines düsenbetriebenen Nurflügel-Langstreckenbombers, der als Vorläufer heutiger Stealth-Flugzeuge gilt. Die US-amerikanischen Konstrukteure standen staunend vor ihrer Kriegsbeute und konnten nicht fassen, wie weit die Deutschen den technischen Fortschritt vorangetrieben hatten. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, hätte Adolf Hitler diese "Wunderwaffe" zwei Jahre früher gehabt.