Sie spielen im Alltag nicht mehr so eine große Rolle wie in früheren Zeiten, die Bibel und das Christentum, aber immer wieder weisen neue Bücher auf ihre ungebrochene Aktualität hin.

"Leiwand håt da Scheff d Wööd gmåcht" - diese Überschrift wählte Anton Kadan in seinem neuen Buch für den Schöpfungsbericht im biblischen Buch Genesis. Mit "Da Josef und seine Briada" legt der Autor - nach "Da David und sei Pantscherl" - seinen zweiten Versuch vor, Texte aus dem Alten Testament ins Wienerische zu übertragen. Kadan, der in Wien Latein und Evangelische Religion unterrichtet, wandelt auf den Spuren von Wolfgang Teuschls 1971 erschienenem Werk "Da Jesus und seine Hawara", das sich in ähnlichem Stil des Neuen Testaments angenommen hat.

Übersetzung in Vulgärsprache

Kadan hat interessante Texte ausgewählt, die aber manchmal etwas aus dem Zusammenhang gerissen sind - vielleicht eine Methode, die Leser zum Nachlesen in der Bibel zu motivieren. Dass seine Sprache an vulgärer Direktheit nichts vermissen lässt, zeigt er unter anderem im Psalm 146: "I wüü fia n Heagod a Halleluja singan, bis i de Bådschn streck. Valåssts eich ned auf de Hoch-gschissanan: des san Menschen, de richtn goa nix aus. Wås im Menschen drin is, geht päule, und es muass wiada Ead aus eam weadn; dann is ois, wås a si vuagnumman håt, im Oasch."

Ob Kadan neue Bibelleser gewinnt, sei dahingestellt. Eher dient er wohl der - manchmal auch erhellenden - Erheiterung jener, die mit der Bibel bereits einige Erfahrung haben. Für diese Gruppe liefert Josef Bruckmosers Buch "Von Engeln, Helden und Menschen" viel Stoff zum Nachdenken. Der seit Jahrzehnten journalistisch tätige Theologe bemüht sich um einen neuen Zugang zu biblischen Gestalten, die uns "meist sehr entrückt" seien: "Die einen, weil wir sie auf ein Podest erhoben haben, auf dem sie uns als Mitmenschen und Vorbilder nicht mehr erreichbar scheinen. Die anderen, weil wir sie in eine Schublade gesteckt haben, aus der sie nicht mehr herauskommen."

Man kann Maria nicht nur als "Gottesmutter" sehen, sondern auch als junge Frau, die ungewollt schwanger wird. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, ob wir mit den Gleichsetzungen von Eva mit "Verführerin", Judas mit "Verräter" oder Maria Magdalena mit "reuige Sünderin" nicht Wesentliches ausblenden. Bruckmoser lässt "in freier Assoziation" biblische Gestalten inklusive der Engel von Adam bis Paulus selbst zu Wort kommen. Mit Bezügen zur Kunst, etwa zu Verkündigungsbildern der Frührenaissance, oder zur Literatur, etwa zu Friedrich Hebbels "Judith"-Drama, schreibt er seine sehr persönlichen Gedanken dazu nieder. Den Apostel Paulus, der sich selbst als "Eiferer und Überzeugungstäter" deklariert, lässt er zum Beispiel sagen, heute würde er in einem Brief an seine Brüder und Schwestern schreiben: "Ihr braucht nur auf Papst Franziskus schauen. Der hat es begriffen. Er ist wie Jesus ein Freund der Menschen, ohne dass er allen nach dem Mund redet."

Auslassungssünden

Nicht "Das Christentum", wie der Titel lautet, sondern eine Reihe einzelner Themen zur Geschichte dieser Weltreligion von Jesus bis Franziskus beschreibt ein neues Buch, das Eva-Maria Schnurr herausgegeben hat. Dass darin das Zweite Vatikanische Konzil nur in drei Absätzen im Kapitel über die Befreiungstheologie vorkommt, Papst Paul VI. wie die Anglikanische Kirche überhaupt nicht und die Orthodoxie fast ausschließlich in Verbindung mit Russland und Wladimir Putin, sind nur einige Punkte, die den Buchtitel massiv in Frage stellen.