Seltsame Lichtgeschöpfe der Nacht bringt das Kollektiv Port par le Vent nach Graz. - © Lupi Spuma
Seltsame Lichtgeschöpfe der Nacht bringt das Kollektiv Port par le Vent nach Graz. - © Lupi Spuma

Graz. Am Anfang war das Licht - beziehungsweise eine vergleichsweise kleine Kunstinstallation, in deren Rahmen die Fassade der Oper Graz mit Licht und Klang bespielt wurde. Seitdem hat sich einiges getan: "Aus einem Abend wurden drei, aus einem Standort 19 und aus einer Idee wurde ein Festival, das im Vorjahr über 100.000 Besucher nach Graz zog", lässt Bernhard Rinner, der Geschäftsführer der Theaterholding Graz, die vergangenen Jahre Revue passieren. Er ist der Initiator der Veranstaltung, die ursprünglich die Häuser der Grazer Bühnen buchstäblich in ein gutes Licht rücken sollte. Dazu zählen neben der Oper das Schauspielhaus, das Next Liberty Jugendtheater sowie die Grazer Spielstätten mit ihren Standorten Orpheum, Dom im Berg und Schloßbergbühne Kasematten. Doch mittlerweile ist die ganze Stadt zu einer Projektionsfläche für Lichtkunstwerke und Illuminationen geworden, heuer von 21. bis 23. April.

Ein Regen aus Licht

So werden beispielsweise die Fabelwesen "Les Luminéoles" über den Nachthimmel von Graz schweben. Die poetischen Luftfiguren des französischen Kollektivs Porté par le Vent haben in ihrer schwerelosen Anmut das Publikum bereits vor zwei Jahren erobert und feiern zum Jubiläum ein Comeback. Ebenfalls wieder dabei sind die katalanischen Medienkünstler Onionlab und Xavi Bové, die noch einmal spektakuläre 3D-Erlebnisse an der Fassade der Grazer Oper zeigen werden. Am Freiheitsplatz ist eine Installation mit dem Titel "Versunkene Kathedrale" zu sehen, für die der kroatische Kunstarchitekt Kresimir Rosina mehrere sechs Meter hohe Kirchtürme entstehen lässt.

Der japanische Künstler Yuki Anai lässt Licht im Dom im Berg regnen, während vor dem Orpheum ein verbogener Truck von Erwin Wurm parkt, der ebenfalls von Licht und Klang untermalt wird. "Was die wenigsten wissen: Wurms allererste Ausstellung hatte er im Alter von 17 Jahren im Orpheum Graz, wohin er jetzt zurückkehrt", so Festivalmacher Rinner. Mit William Kentridge, der im Schauspielhaus die politische Installation "Notes Towards A Model Opera" zeigt, konnte zudem ein weiterer veritabler Kunststar gewonnen werden.

Die größten Publikumslieblinge dürften indes woanders für leuchtende Augen sorgen. Das wäre zum einen die Wanderinstallation "Intruders XL" der australischen Künstlerin Amanda Parer: Passend zum Osterfest lümmeln zwei aufblasbare, von innen beleuchtete Riesenhasen drei Nächte lang vor dem Rathaus und neben dem Uhrturm - Selfie-Alarm garantiert. Zum anderen sind auch die steirischen Film- und Projektionskünstler OchoReSotto wieder dabei, mit denen der Erfolg des Festivals untrennbar verbunden ist. Sie boten in den vergangenen Jahren mit ihren Licht- und Soundinstallationen an der Fassade des Grazer Opernhauses ein gewisses Alleinstellungsmerkmal in Österreich: Bei den farbprächtigen, von Musik untermalten Animationen hatte das Publikum tatsächlich das Gefühl, etwas gesehen zu haben, das es hierzulande in dieser Form noch nicht gab. In diesem Jahr nehmen sich die drei Künstler, die längst auch international gefragt sind, die Grazer Burg vor. Das historische Gebäude soll mit polarisiertem Licht, das für das menschliche Auge eigentlich unsichtbar ist, in eine hypnotische Parallelwelt verwandelt werden.