Wie nennt man fachfremdsprachlich den Flugzeugenthusiasten? Aviatophilen? Das jedenfalls zergeht ihm auf der Zunge: 117 Meter Flügelspannweite, 73 Meter Länge, 6 Strahltriebwerke, steigt auf 11.000 Meter - welch ein Flugzeug! Das größte aller Zeiten ist es. "Roc" heißt der Riesenvogel, benannt nach dem Wesen aus "Sindbad der Seefahrer". Gebaut wurde die "Roc" von Stratolaunch Systems. Das Nachsehen hat die russische Antonow An-225. Bisher war sie das größte Ding, das sich jemals in die Luft erhoben hat. Immerhin verursachen auch ihre Maße ein gewisses Prickeln: 88,4 Meter Flügelspannweite hat sie, sie kommt auf 84 Meter Länge, wird angetrieben von 6 Mantelstromtriebwerken und erreicht 11.000 Meter Einsatzhöhe.

Das flugunfähige Flugboot

In Details wie Reichweite und Startmasse dürften die beiden Riesen einander ähnlich sein. Im Bauprinzip unterscheiden sie sich. Die "Roc" hat ausschließlich den Zweck, Raumgleiter in Starthöhe zu bringen. Die An-225 wurde ebenfalls dafür gebaut, aber die Russen dachten praktisch und konstruierten das Flugzeug so, dass es als Superluftfrachter einsetzbar ist.

Der russische Riesenvogel, die Antonow An-225. - © RAF-YYC from Calgary, Canada
Der russische Riesenvogel, die Antonow An-225. - © RAF-YYC from Calgary, Canada

Luftfahrtaffine erheben freilich längst mahnend den Zeigefinger: Gab’s da nicht, bitteschön, ein Flugzeug, das in der Größe zwischen der "Roc" und der "An-225" lag und diese, genau genommen, auf den dritten Platz verweist? Im Grund haben sie recht. Allerdings fällt einem bei diesem Kapitel die Dronte ein, der feiste, flugunfähige und ausgestorbene Taubenvogel. Wobei die "Fichtengans" wenigstens schwimmen konnte. "Spruce Goose" nämlich wurde die Hughes-4 genannt, ein Flugboot mit 97,54 Metern Spannweite. Die Maschine sollte US-amerikanische Militäreinsätze unterstützen. Der Milliardär Howard Hughes hat sie ursprünglich "Hercules" genannt.

Nun kann man dem griechischen Halbgott manches nachrühmen, nur besondere Qualitäten als MyFO (Mythisches Fliegendes Objekt) sind keine darunter. So gesehen war der Name gar nicht so falsch, denn vom Wasser ist die Hughes-4 nie recht hochgekommen. Der Jungfernflug am 2. November 1947 ist ihr einziger Flug geblieben, und Höhenflug war er keiner: Gerade einmal 1,5 Kilometer hat sie in 20 Meter Höhe zurückgelegt. Danach ist die Fichtengans im Hafenwasser gedümpelt, bis sie 1992 ins Evergreen Aviation Museum in McMinnville, Oregon, gebracht wurde.

Man sieht schon: Wenn es um die Größe geht, spielt bei Flugzeugen die Spannweite eine Rolle. Auf 79,80 Meter bringt es diesbezüglich der Airbus A380 - und auch der schreibt keine echte Erfolgsgeschichte. Zwar hat der doppelstöckige Koloss mit der stumpfen Nase eine unverwechselbare Silhouette, nur gerechnet hat sich das Flugzeug nicht. Einen Bedarf von 1235 Maschinen hat Airbus kalkuliert, heute fliegen 245, verteilt auf ein paar Fluglinien, die mit dem Äquivalent zu einer venezianischen Staatsgaleere vor allem zivile Lufthoheit für sich beanspruchen und auftrumpfen wollen, die Emirates Airways etwa, aber auch die Lufthansa.