Schöne Aussichten trotz beschränkter Mobilität: Virtual Reality beim Einsatz im Pflegeheim. - © Haus der Barmherzigkeit/Victoria Mühlegger
Schöne Aussichten trotz beschränkter Mobilität: Virtual Reality beim Einsatz im Pflegeheim. - © Haus der Barmherzigkeit/Victoria Mühlegger

Das Abschiednehmen fiel den Bewohnerinnen schwer. Henrys Probezeit war abgelaufen, er musste das Pflegekrankenhaus verlassen. Obwohl er ein hilfsbereiter Zeitgenosse war: Er begleitete die Demenzgruppe des Hauses der Barmherzigkeit beim Nordic Walking, eskortierte Senioren, warnte vor Gefahren. Nebenbei gab Henry bereitwillig Auskunft über Tagesaktivitäten, das Mittagsmenü und Bücher in der Bibliothek. Er war eingeschränkt in der Lage, mit den Bewohnern zu kommunizieren. Meist dann, wenn er sich in eine Notlage manövriert hat, aus der er sich nicht befreien konnte. Dann bat er Vorbeigehende, ihn auf den Gang zurückzuschieben. Zusätzlich war er Selbstversorger: Er war fähig, sich selbst aufzuladen.

Ein Roboter, der Sympathien weckt

Trotz seiner Vorzüge wurde Henrys "Vertrag" nicht verlängert. Denn er war ein Roboter-Prototyp, der einer birnenförmigen Boje ähnelte und dessen Einsetzbarkeit im Pflegebereich im Rahmen eines Forschungsprojekts getestet wurde. "Wir haben seine Performance evaluiert und versucht, sie an Bedürfnisse der Altenpflege anzupassen", rekapituliert Veronika Schauer, die Leiterin für Lehre, Forschung und Qualitätsmanagement im Haus der Barmherzigkeit. An dem Projekt haben verschiedene Technische Universitäten mitgearbeitet. "Letztendlich haben wir uns - als potenzielle Verwenderseite - für die Pflege mehr erwartet, obwohl viele Bewohner positiv auf ihn reagiert haben", resümiert sie.

Henry war nicht das erste Forschungsprojekt für Veronika Schauer. Das Haus der Barmherzigkeit hat vor einigen Jahren diese Stabstelle, den Verein Akademie für Altersforschung, ins Leben gerufen, um beim technologischen Fortschritt nicht Beobachter zu sein, sondern mitzugestalten. "Es ist das Mindset unserer Organisation, den innovativen Charakter zu betonen, gezielt den Fokus auf neue Technologien im Bereich der Geriatrie zu richten, um für die Pflege relevante Forschungsprojekte zu generieren", erläutert sie die Zielsetzung des Vereins. Aufgrund der rasant steigenden Lebenserwartung steigt auch die Nachfrage nach Pflege und Fürsorge - ein brennendes Thema. Allein schon, wenn es um Fragen der Arbeitszeitregelung und der Bezahlung der Pflegekräfte geht. Da stellt sich die Frage, ob jemals ein ausgereifterer Henry geschultes Pflegepersonal ersetzen kann. Schauer verneint: "Meiner Ansicht nach wird das nicht möglich sein. Das erfordert einen enormen technischen Aufwand. Unser Ansatz folgt einer anderen Richtung: Moderne Technologien entlasten das Personal bei schweren manuellen Tätigkeiten und der medizinischen Dokumentation, aber an sich soll durch die geschaffene Zeitersparnis mehr Spielraum für individuelle Pflege verfügbar sein."