"Dürren und Überschwemmungen, extreme Hitze und Kältewelle: Unser Planet ist in der Krise", umreißt Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrums Wien die Ausgangssituation für ihr jüngstes Projekt. Die Ausstellung "Critical Care", die Fitz mit Elke Krasny kuratiert hat, geht der Frage nach, was Architektur und neue Konzepte des Bauens dazu beitragen können, um diese Krise zu bewältigen. Bei dieser "Architektur für einen Planeten in der Krise" geht es den Kuratorinnen jedoch nicht um Alarmismus. Gezeigt werden unterschiedlichste Lösungsansätze aus aller Welt.

"Wir haben es mit multiplen Krisen zu tun", umreißt Krasny die Herausforderungen, denen Architekten und Stadtplaner derzeit gegenüberstehen. So widmen sich die ausgestellten Projekte Themen wie Überschwemmungsschutz und Erdbebensicherheit, Wissenstransfer und Ressourcenschonung, der Umnutzung modernistischer Bauten oder neuen Konzepten für öffentliche Plätze. ",Critical Care‘ ist ein Plädoyer für eine Architektur des Sorgetragens", so die Kuratorinnen, die 21 Beispiele von China bis Brasilien zusammengetragen haben, in denen sowohl öffentliche Stellen wie auch die Bevölkerung selbst gemeinsam mit Architekten und Planern neue "Wiederbelebungsmaßnahmen für den Planeten" getroffen haben. "Die Erde ist quasi auf der Intensivstation, wo sie nun gepflegt werden muss."

Auch das Ausstellungsdesign von The next Enterprise ist auf Nachhaltigkeit bedacht, hat mit viel Karton gearbeitet, aus dem die Präsentationskojen und Tafeln gefertigt wurden. Anhand von Fotos, Videos, Plänen und Texten wird dem Besucher ein kompakter, aber auch im Katalog zu vertiefender Einblick in zukunftsweisende architektonische Modelle der Gegenwart ermöglicht. Strukturiert ist die Schau in fünf Kapitel, in denen vier bis fünf Projekte vorgestellt werden, die in ihren Ansätzen höchst unterschiedlich sind, die aber das Bestreben nach Ressourcenschonung und Gemeinschaftlichkeit vereint.

Mit dem Wasser bauen

"Sorgetragen für Wasser, Grund und Boden" nennt sich das Kapitel, in dem ein Projekt in Bangladesch vorgestellt wird: Dort hat das Architekturbüro Urbana von Kashef Mahboob Chowdhury auf Aufschüttungen als Überflutungsschutz verzichtet und "mit dem Wasser, nicht gegen dieses gearbeitet." Durch einen Wall und das Sammeln von Regen- und Oberflächenwasser in internen Becken entstand ein völlig neuartiges wie Ressourcen schonendes Konzept.

Unter "Sorgetragen für Reparatur" zeigt das Projekt der Architekten Lacaton & Vassal, dass man Plattenbauten nicht nur abreißen, sondern adaptieren kann. 530 Wohneinheiten haben sie dafür in Bordeaux um Wintergärten erweitert und damit nicht nur mehr Wohnfläche geschaffen, sondern die Wohnqualität durch kluge Materialwahl deutlich gesteigert. Alte persische Lehmbautechniken verwendet die indische Architektin Anupama Kundoo, um obdachlosen Kindern in Südindien ein neues Zuhause zu bieten: Dabei wurde das gesamte Haus aus ungebrannten Ziegeln erbaut und in Folge als Ganzes angezündet, wodurch es zugleich als Materialproduzent für Keramik-Arbeiten diente. Das Projekt findet sich in "Sorgetragen für Fertigkeiten und Kenntnisse".

"Sorgetragen für öffentlichen Raum" zeigt ein Projekt aus Barcelona, in dem ganze Häuserblöcke zu autofreien Zonen umgewandelt wurden. Und ein Projekt aus London, das die umliegenden Gebäude ausgehend von der Planung des öffentlichen Raums dazwischen entwickelt hat.

Die Schau versucht, Architektur zurück zu ihren Wurzeln, ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückzuführen. Häuser dienten von Anbeginn an als beschützend, als behütend. Die aktuelle Herausforderung des Bauens besteht darin, nicht nur Menschen dieses schützende Obdach zu bieten, sondern einen ganzen Planeten aus der (selbst verursachten) Krise zu führen.