(hab) Es ist eines der viralsten Themengebiete in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Die Zukunft der Pflege unterliegt einer emotionalen Diskussion, weil es sich um entscheidende gesellschaftliche Brennpunkte der Zukunft handelt: vom Personalmangel in der Pflege über die meist schlechte Entlohnung bis zur Vereinsamung eines großen Teils der Bevölkerung. Die seit Anfang des Jahres amtierende künstlerische Leiterin des Kunstraums Niederösterreich, Katharina Brandl, nimmt sich gemeinsam mit ihrer Co-Kuratorin Friederike Zenker in ihrer ersten Ausstellung "TechnoCare" dieser vielschichtigen Thematik an. Das Grundkonzept nähert sich dem erweiterten Begriff von Care/Fürsorge von unterschiedlichen Richtungen aus. Neun Künstlerinnen sowie Künstlerkollektive wurden eingeladen, durch Videos, Installationen, Skulpturen, Performances und grafische Visualisierungen die umfangreiche Materie transparent und greifbar zu machen.

Das gelingt ausgezeichnet bei der Installation von Addie Wagenknecht, bei der ein Roboterarm eine Kinderkrippe sacht schaukelt: "Optimization of Parenthood" stellt in Frage, ob der direkte zwischenmenschliche Kontakt durch Technologien austauschbar sein wird. Den Kampf gegen diese Tendenz zeigen Ingo Niermann und Alexa Karolinski in ihrem berührenden Video "Army of Love", in dem sich "Soldaten einer Armee der Liebe" mit ihrer Fürsorge gegen die Vereinsamung von Bedürftigen wenden. Einen ironischen Zugang hat die junge Künstlerin Marina Sula mit ihren grafischen Arbeiten "Untitled-Phone" und "Untitled-Home" gewählt: Die scheinbar unkoordinierten Linien auf ihren Bildern offenbaren das intime Verhältnis von Usern zu digitalen Medien, denn sie sind sichtbar gemachte Spuren des Über-den-Bildschirm-Streichens bei Twitter und Co. Vom diskret-Poetischen zu einer schrägen Videoarbeit des Kollektivs Neozoon: In zahllosen aneinandergefügten You-Tube-Videos stellen junge Frauen ihre Kleinsthunde vor - mit einer unglaublich nervigen Kakofonie von Stimmen. Die italienische Künstlerin Elisa Giardina Papa führt mit ihrer Videoinstallation "Technologies of Care" in die Welt von Online-Pflegekräften, die selbst in prekären Verhältnissen leben und arbeiten müssen, jedoch über Drittanbieter Kunden rund um den Globus mit Ratschlägen und emotionaler Unterstützung aus der Patsche helfen. Die Ausstellung überzeugt durch die intelligente Zusammenstellung divergenter Kunstpositionen und ermöglicht eine nachhaltige Auseinandersetzung mit der Thematik.