Sie galten als "ungleiche Gründerväter" der Bundesrepublik Deutschland: Konrad Adenauer (Bundeskanzler von 1949 bis 1963) und Ludwig Erhard (Wirtschaftsminister von 1949 bis 1963 und Bundeskanzler von 1963 bis 1966). Sie bestimmten während dieser Zeit maßgeblich die politische und ökonomische Entwicklung Westdeutschlands.

Adenauer war "hochgewachsen, asketisch, nüchtern, ein Menschenskeptiker, streitbar und abgehärtet im politischen Kampf". Erhard hingegen trat "volkstümlich, jovial und optimistisch" auf, in der frühen Nachkriegszeit noch erstaunlich schlank, später dann die "rundliche Verkörperung des westdeutschen Wirtschaftswunders". Im Haifischbecken der Politik machte Erhard als späterer Kanzler dann keine allzu gute Figur. Darum wollte Adenauer auch Erhard als Kanzler zuvor verhindern. Vergeblich. Der Wirtschaftsprofessor Erhard galt als "konfliktscheu, harmoniebedürftig und war streng genommen gar "kein politischer Mensch". Adenauer wiederum ging bei der Behandlung wirtschaftlicher Fragen von einem Primat der Politik aus, und hatte eine durchaus instrumentelle Sicht auf die Wirtschaft.

Ökonomische Ordnungspolitik

Es war ein "schwieriges Verhältnis" beider CDU-Größen, voller Missverständnisse und Verletzungen, im Ergebnis aber ungemein produktiv und über lange Zeit hinweg sehr erfolgreich. Aller zwischenmenschlichen Spannungen zum Trotz war man sich aber in den "fundamentalen Fragen" der Marktwirtschaft und sozialen Gerechtigkeit einig.

Erhard selbst hat das rückblickend so formuliert: "Die Ablehnung des Sozialismus und das Eintreten für eine freiheitliche staatliche und sozioökonomische Ordnung - die soziale Marktwirtschaft schlechthin -, gehörten (. . .) zu den politischen Prinzipien, denen sich Konrad Adenauer und ich mich gleichermaßen verpflichtet fühlten."

Die neue Adenauer-Erhard-Edition in der "Rhöndorfer Ausgabe" wirft einen neuen Blick auf die Beziehung Adenauers zu Erhard insbesondere auch anhand von Briefen, Memoranden und Gesprächsaufzeichnungen der beiden Politiker, die sich auf die wirtschaftspolitischen Strategien beziehen. Diese wichtigen Aspekte ökonomischer Ordnungspolitik wurden bisher in der Forschung zu wenig beleuchtet. Der Band möchte dafür Abhilfe schaffen. Lesenswert.