Unwiderruflich. Endgültig. Nicht veränderbar. Unverrückbare Tatsachen werden in einer flexibler werdenden Welt seltener. Nix is fix - diese Formel zieht sich als gestalterischer roter Faden durch private wie berufliche Lebenskonzepte. Zwischen wechselnden Lebensabschnittspartnern und knappen Karriereetappen, die quer durch die klassischen Berufsfelder springen, entwickeln sich Lebenskonzepte, in denen sich alles im Fluss, im Wandel befindet. Von der Haarfarbe über die politische Orientierung bis zum sozialen, ja sogar zum biologischen Geschlecht. Was heute Gültigkeit besitzt, kann morgen schon längst sein Ablaufdatum hinter sich haben.

- © stock.adobe.co/sandra zuerlein
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Elternschaft ist hier eine Ausnahme. Vater oder Mutter eines Menschen zu sein, ist eine unwiderrufliche, nicht austauschbare Tatsache. Selbst, wenn der Kontakt abbricht, Kinder adoptiert werden oder gar vor den Eltern sterben gilt: Der Status von Eltern und Kind ist weder verhandel-, noch veränderbar - bei allem Gelingen oder Nicht-Gelingen der Beziehung zwischen ihnen. Familie steht damit in einem permanenten und eklatanter werdenden Spannungsverhältnis zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Sie ist aber zugleich auch der Prüfstein, an dem sich zeigt wie tragfähig neue, offenere Lebensmodelle sind. Daraus erwächst die Chance, über gewachsene Ungleichgewichte (zwischen Müttern und Vätern) nachzudenken und zeitgemäße Lösungen zu finden.

Gipsabdrücke und Reime

Was das alles mit dem Muttertag diesen Sonntag zu tun hat? Bei aller Freude über Gipsabdrücke von Kinderhänden, liebevoll gerupften Blumensträußen, selbstgetöpferten Potpourri-Schalen, holprig vorgetragenen Gedichtchen und dem hoffentlich unfallfrei ans Bett servierten Frühstück: Der Muttertag und seine Rituale haben etwas Anachronistisches - und für viele Frauen etwas Verlogenes, das ihnen schmerzlich vorführt, in welche finanziellen und perspektivischen Falle die Mutterschaft sie mit zum Schmelzen bringend herzigen Babyaugen gelockt hat.

Dabei geht es nicht darum, die eigene Mutterschaft zu bereuen oder gar die bedingungslose Liebe zum eigenen Nachwuchs zu schmälern. Leider auch nicht darum, das Wunder des Lebens zu feiern. Es geht um die Frage, ob unsere Rollenbilder und das Konzept von Eltern- und Mutterschaft, die Art und Weise also, wie wir die Verantwortlichkeiten für unseren Nachwuchs aufteilen, zeitgemäß ist.