Die Stimmung brodelt, schon vor Konzertbeginn. Aufgeregte Vorfreude liegt in der Luft vor dieser Eröffnung des internationalen Musikfests im Konzerthaus, zu der sich auch manch namhafter Besucher gesellt. Alles wartet gespannt auf Mahlers achte Symphonie unter Franz Welser-Möst, der in ihr "einen großen spirituellen Kontext" sieht. Dass diese in drastischer "Über-den-Wolken"-Manier beginnt, überrascht daher wenig.

Die Suche nach grenzenloser Freiheit möge beginnen. Salbungsvoll erklingen die Philharmoniker, bombastisch dröhnen die Chöre, wuchtig stimmen auch die Solisten mit ein. Ganz offensichtlich möchte hier jemand überwältigen und man fragt sich: Wohin kann das noch führen? Steigerung ist kaum mehr denkbar. Auch bei den (übrigens großteils glanzvollen) Solisten führt das dazu, dass sie manch‘ Gefühl der Zartheit mit darauffolgender Schrillheit zerschlagen, etwa nach dem sanften Chor der Büßerinnen. Die Tatsache, dass Mahlers Achte mit 400 Leuten auf der Bühne per se schon leicht überladene Züge hat, nimmt Welser-Möst nicht zum Anlass, mit Pomp zu sparen. Er drängt nicht zurück, wo es stiller wird (es hätte nicht geschadet!), die Spannung in etwas laueren Momenten steht auf unsicheren Beinen (die Streicherpiccicati wackeln), und auch die Chorstellen hängen meist am obersten Dynamik-Level. Wacker die Philharmoniker, doch mehr ist eben nicht immer mehr. Das Tor in die Zukunft, das Welser-Möst aus diesem Werk herausliest, er stößt es ziemlich gewaltsam auf. (Und es dröhnt in meinen Ohren.)