So wird privaten Besitzern von Bauhaus-Gebäuden gewährt, bei den kostspieligen Restaurations- und Sanierungsarbeiten die Häuser aufzustocken oder beispielsweise Bunker für Raketenangriffe und Erdbeben einzubauen. Golan-Yarons Denkmalschutz-Zentrum entwickelt Strategien und Regeln für eine effiziente, nachhaltige und zugleich denkmalgerechte Sanierung der Gebäude.

Auch das Max-Liebling-Haus in der Idelson-Straße 29, in dem das "White City Center" ab September seinen Hauptsitz bezieht, wird derzeit aufwendig saniert. Das 1936 von Dov Karmi gebaute zweistöckige Gebäude ist ein Paradebeispiel israelischer Bauhaus-Architektur. Neben Büros, einem Café und einer Bibliothek wird das Zentrum auch eine Museumswohnung beherbergen. Begleitet wird die Eröffnung des neuen Hauptsitzes mit einer großen Bauhaus-Feier. Ausstellungen, Diskussionsforen und "Open for renovation"-Rundgänge, bei denen Architektur-Fans Tel Avivs Bauhaus-Gebäude auch von innen kennenlernen können, stehen auf dem Programm.

Doch während Deutschland 2019 in regelrechte Bauhaus-Romantik verfällt, geht man das 100. Jubiläum des modernen Architekturstils in Tel Aviv relativ kühl an. Das hat zwei Gründe, erklärt Sharon Golan-Yaron: "Einerseits handelt es sich bei den Gebäuden nicht wie in Deutschland um architektonische Ikonen, sondern um tausende von Häusern, in denen man einfach nur wohnt. Andererseits hat der Begriff Bauhaus in Tel Aviv in den vergangenen Jahren eine teils negative Konnotation bekommen."

Der Grund: Die Renovierungsarbeiten denkmalgeschützter Gebäude sind für private Eigentümer oftmals eine sehr teure Angelegenheit. Steuerliche Erleichterungen oder Hilfen gibt es kaum. So sind es immer häufiger kapitalstarke Investmentfirmen, welche die renovierungsbedürftigen Bauhaus-Gebäude aufkaufen, sanieren und sie hinterher als Luxusapartments und Wohnungen für viel Geld verkaufen oder vermieten, was bereits zur Gentrifizierung der Tel Aviver Innenstadt führt.

"Symbol für bessere Zukunft"

Trotz dieser negativen Auswirkungen setzt die Stadt weiterhin auf den Erhalt ihres Weltkulturerbes. Denn der moderne Architekturstil wird in Tel Aviv nicht nur immer mehr zum touristischen Magneten, sondern ist auch von historischer, sozialer und politischer Bedeutung. "Er war sogar identitätsstiftend", fährt Denkmalpflegerin Golan-Yaron fort. Die jüdischen Architekten wollten sich damals nicht nur architektonisch bewusst von der lokalen arabischen Baukultur der Palästinenser abheben, mit denen es von Beginn an zu Auseinandersetzungen kam, sondern auch von Europa, das die Juden vertrieb. "Die Architektur sollte ein Symbol für eine bessere Zukunft werden. Neues Bauen für ein neues Land. Es war eine nahezu zionistische Art zu bauen."

Die meisten Architekten, die das noch junge, 1909 gegründete Tel Aviv prägten, kamen in den 30er und 40er Jahren aus Deutschland. Unter ihnen auch sechs Bauhaus-Schüler wie Arieh Sharon, der noch heute als Architekt der Nation gefeiert wird. Sie flohen vor den Nazis, die bereits kurz nach ihrer Machtergreifung die zuletzt in Berlin ansässige Weimarer Bauhaus-Schule dichtmachten. Doch selbst diese Bauhaus-Schüler modifizierten den modernen Stil von Meistern wie Walter Gropius und Ludwig Mies von der Rohe, um ihn an die klimatischen Bedingungen und städtebaulichen Erfordernisse der schnell wachsenden Mittelmeerstadt im Nahen Osten anzugleichen, erklärt Denkmalpflegerin Golan-Yaron.

Statt großer Fensterfronten wurden Lichtleisten oder Bullaugen gesetzt, um die Hitze und das grelle Licht nicht ins Innere zu lassen. Flachdächer konnten für die heißen Sommernächte benutzt werden. Natürlich wurden alle Fassaden wegen der hohen Sonneneinstrahlung stets weiß gestrichten, weshalb Tel Aviv heuer auch gerne als die "Weiße Stadt" bezeichnet wird.

Der Internationale Stil mit flachen Dächern, Rundbalkonen und seiner markanten Geradlinigkeit war aber auch gerade wegen seiner schnörkellosen Form optimal. "Diese Art von Architektur war leicht zu bauen, und wegen der massenhaften Ankunft neuer Migranten musste schnell neuer Wohnraum geschaffen werden", erklärt Sharon Golan-Yaron.