Rückkehr nach China

Bald reihte sich ein prestigeträchtiger Auftrag an den nächsten: der Ostflügel der "National Gallery of Art" in Washington (1978), die Bibliothek für den ermordeten Präsidenten John F. Kennedy in Absprache mit dessen Witwe Jacqueline (1979), der Westflügel des Museum of Fine Arts in Boston (1980). Mit dem Ruhm im Rücken kehrte Pei mit seiner Familie für einige Projekte nach China zurück. Er und seine Frau Eileen Loo, die er schon aus Studienzeiten kannte und mit der er drei Söhne und eine Tochter hatte, reisten häufig zusammen.

Mit der berühmten Glaspyramide in Paris wollten sich nicht alle sofort anfreunden, teils war von einem "Disneyland-Anbau", einem "Akt der Willkür" und einer "gigantischen Spielerei" die Rede. Pei blieb bei seinem Entwurf und setzte mit der Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland, Ohio sogar fast zeitgleich eine zweite, ganz ähnliche Glaspyramide in die Welt.

Entrüstung über Kohl-Auftrag

Auch in Deutschland ging seinem Ausstellungs-Annex für das Deutsche Historische Museum in Berlin zuerst ein Sturm der Entrüstung voraus: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hatte den Auftrag per Direktmandat an Pei vergeben, weil dieser sich schon lange nicht mehr an Ausschreibungen beteiligte. Doch Peis Können galt als unbestritten und die Kritik verstummte, als 1997 schließlich der Entwurf für den Anbau mit spiralförmigem Treppenhaus aus Glas und Stahl vorgestellt wurde - heute spricht das Museum beim 2003 eröffneten Pei-Bau hinter dem barocken Zeughaus von einem "atemberaubenden Gebäude".

Abhalten ließ sich Pei, der mit dem "Fragrant Hill Hotel" in Peking (1982), dem "Bank of China"-Gebäude in Hongkong (1989) und dem Miho Museum außerhalb von Kyoto in Japan (1997) auch in Asien immer gefragter wurde, von solchen Stimmen nie. Beim Miho Museum und dem Museum für Islamische Kunst in Doha, Katar (2008), zeigte er seine Bemühungen, den Stil der westlichen Moderne mit anderen Kulturkreisen zu verbinden.

Auf dem "Niveau von Poesie"

Aktiv war Pei (zumindest als großer Taktgeber seiner ausführenden Architekten) bis zum Schluss. Century Plaza in Los Angeles, Charles Darwin Centre in Australien, verschiedene Bauten in Indien - Pei schien kaum müde und neuer Ideen und Projekte nicht überdrüssig zu werden. Die Pritzker-Jury erkannte das schon 1983 und schrieb: "Seine Vielseitigkeit und sein Können beim Materialgebrauch nähern sich dem Niveau von Poesie."

Womöglich zeigt sich Peis Können aber vor allem in dem Bau, der ihm persönlich am meisten bedeutete: das Miho Museum bei Kyoto in Japan. Die spektakuläre Anlage mit Tunnel-Eingang und hohen Glasdächern hat er mitten in die japanische Hügellandschaft gesetzt. "ArchDaily"-Gründer und Kritiker David Basulto schrieb: "Durch seine Einfügung in die Umgebung und seine 'architektonische Promenade' erzeugt das Museum eine Reihe unverwechselbarer Erfahrungen und Momente, eine Synthese dessen, was Architektur sein sollte." (apa/dpa)