Das Internet ist ein Hort der Kuschelkätzchen: Sie balgen mit Wollknäueln, bratzeln mit ihren Spielkameraden, schnurren auf Besitzerbäuchen oder betätigen sich anderweitig possierlich. Was die Samtpfoten im Netz aber nahezu nie zur Schau stellen, sind Anflüge von Übellaunigkeit. Dafür war früher nur ein Fellträger aus dem Comic-Reich bekannt - nämlich Garfield, der "fette, faule und filosofische" Kater. Mit ihrer Mieselsucht, besonders gegenüber Montagen, avancierte die Figur von Jim Davis zur weltweiten Ikone auf Büro-Kaffeetassen.

2012 erwuchs Garfield allerdings ernsthafte Konkurrenz in der Wirklichkeit: Das Foto eines gewissen Artgenossen namens Grumpy Cat ging online und machte Furore auf der Plattform Reddit. Das Alleinstellungsmerkmal des Pelzknäuels aus Morristown im US-Bundesstaat Arizona: Ein seltsamer Unterbiss, bedingt durch felinen Kleinwuchs. Grumpys verzogenes Maul schien, gemeinsam mit einem starren Blick, einer Gemütslage Ausdruck zu verleihen, die sich gleichermaßen aus Verdruss, Geringschätzung und Ekel speiste. Als würde sich diese "grantige Katze" gleichzeitig über mindestens sieben Tage Regenwetter, einen vertrottelten Vorgesetzten und das Ausscheiden der eigenen Lieblingsmannschaft bei einer WM grämen. Dadurch eignete sich Grumpy Cat trefflich zur Bebilderung etlicher Misslichkeiten des Lebens - und dazu, den Leidtragenden doch ein Lächeln abzuringen.

Marketing bis zum Grumppuccino

Mit dieser Mimik gesegnet (oder richtiger: gestraft), ging es für die Mieze steil die Katzenkarriereleiter empor. Das Haustier, bis zu seinem Durchbruch Tardar Sauce genannt, avancierte zum Hauptdarsteller viraler YouTube-Videos und Hausherrn einer Facebook-Seite mit Millionen Likes. Betreut durch einen eigenen Manager, machte Grumpy Cat auch abseits des Internets beachtliche Sprünge, mauserte sich zum Talkshow-Gast, Kalender-Model, sogar Hauptdarsteller des Films  "Grumpy Cat's Worst Christmas Ever" und sorgte nicht zuletzt für regen Merchandising-Absatz - vom T-Shirt bis zur Kaffeebohne unter dem Namen Grumppuccino. Der Pelzzwerg versorgte eine veritable Marketingmaschinerie mit Blickfutter. An diesem Dienstag kam die Bilderproduktion zum Erliegen: "Grumpy Cat" ist im Alter von sieben Jahren an einem Harnwegsinfekt verstorben.