Und ob es da Klärungsbedarf gibt! Gerade der heutige internationale Iss-eine-Kiwi-Tag sollte ein Ansporn sein, die grundlegenden Fragen aller Kiwi-Esser weltweit ein für alle Mal zu klären. Der Zank muss endlich aufhören, und es geht ja auch um grundlegende Fragen des Kiwi-Verzehrs. Da kann man sich nicht, wie bei der Frage, ob die Henne oder das Ei zuerst war, auf den Standpunkt zurückziehen, Gott wird schon gewusst haben, was er tut. In der Kiwi-Frage muss Klarheit geschaffen werden, und das, bitte, ehe der Komet kommt oder die Welt ins Schwarze Loch rutscht, das vom Cern geschaffen wurde.

Um also die existenzielle Kiwi-Grundfrage anzusprechen: schälen oder löffeln?

Dagegen verblassen alle anderen mit dieser Frucht verbundenen Fragen, die freilich für den Kiwi-Esser auch von erheblicher Relevanz sind, als da wären, bei welchem Reifegrad die Kiwi zu genießen ist und bei welcher Temperatur. Man stelle sich vor, ein Zimmerwarm-Fest-Löffler trifft auf einen Gekühlt-Weich-Schäler - nicht auszudenken, was dann geschehen mag. Am Ende muss man die beiden, um ihnen Leben oder zumindest Gesundheit zu retten, auf Apfel und Orange setzen - aber nur ja nicht auf Banane, das könnte den Konflikt eventuell sogar verschärfen. Schließlich herrscht auch da noch grundsätzlicher Klärungsbedarf in Bezug auf den idealen Reifegrad und Farbe der Schale und so weiter. Das Thema bitte vormerken als dringlich für den 17. April 2020, da ist der nächste Banana-Day.

Aber zurück zu den Kiwis. Und, nein: Sie laufen nicht in Schönbrunn herum. Erstens, weil der Tierpark keinen der flugunfähigen neuseeländischen Schnepfenstrauße besitzt, zweitens, weil es hier ja um die Frucht gleichen Namens geht, und drittens ist überhaupt alles wieder einmal sehr kompliziert.

Und zwar, weil Kiwi nach Neuseeland klingt, aber nur der Kiwi ein Bio-Neuseeländer ist, und zwar auch dann, wenn die Kiwi bio ist.

Gemach, es wird gleich klarer: Die Kiwi trieb ihr Wesen als Liane oder Kletterstrauch nämlich ursprünglich nicht in Neuseeland, sondern in den Jangtsekiang-Regionen Chinas, weshalb man sie auch, allerdings eher selten, mit ihrem ursprünglichen Namen als Chinesische Stachelbeere bezeichnet.

Die Lehrerin Isabel Fraser aus dem neuseeländischen Wanganui brachte 1904 Samen der Chinesischen Stachelbeere nach Neuseeland, wo sie, die Stachelbeere, prächtig gedieh und schmeckte. Im Zweiten Weltkrieg wurden britische und US-amerikanische Soldaten in Neuseeland stationiert, lernten dort die Frucht kennen und brachten sie in ihre Heimat mit.