In England wurde das Obst bald unter dem Namen Kiwi gehandelt - wie es zu dem kam, davon gibt es zwei Versionen. Die eine ist, dass die Früchte eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Körper des Vogels namens Kiwi aufweisen: Nicht nur haben dessen Körperbau und die Frucht gewisse Gemeinsamkeiten, auch sein faserig wirkendes Gefieder und die Schale der Frucht sind auf einen ersten Blick irgendwie ähnlich. Die andere Version geht so: Da der Kiwi quasi der Nationalvogel der Neuseeländer ist, ist der Spitzname der Neuseeländer - nun, eben: die Kiwis. Da die Briten die Frucht in Neuseeland kennengelernt hatten, nannten sie sie salopp Kiwis, also "Neuseeländer".

Die Neuseeländer jedenfalls kapierten, dass mit der Bezeichnung ein Geschäft zu machen war. So exportierte die Handelsfirma Turners & Growers 1959 ihre "Chinese Gooseberries" erstmals unter dem Markennamen "Kiwi".

Und weil die Frucht sowohl als grüne Kiwi wie auch als Gold-Kiwi gar so gut schmeckt, nämlich zart grasig frisch oder grasig süß mit einer Honignote bei der Gold-Kiwi, und leicht pikant kratzig am Gaumen, stiegen bald andere Nationen ins Kiwi-Geschäft ein. Der größte Kiwi-Produzent ist nach wie vor das Heimatland Nummer eins, also China, gefolgt von - nein, nicht Neuseeland, sondern Italien. Heimatland Nummer zwei liegt erst an dritter Stelle. Andere große Kiwi-Exportländer sind Chile, der Iran und Griechenland.

Aber die Kiwi ist eine wahrhaft erstaunliche Frucht: Sie kann sich klimatisch gut anpassen und ist überraschend kälteresistent - was einen kommerziellen Kiwi-Anbau im niederösterreichischen Weinviertel und in der Steiermark ermöglicht. Auch im eigenen Garten, so man einen besitzt, kann man sich an den Kiwi-Anbau wagen. Das Geheimnis: Die Früchte werden vor dem ersten Frost unreif geerntet und reifen während der Lagerung nach. Nur mit Äpfeln und Birnen darf man sie nicht gemeinsam lagern, da gäbe es chemische Prozesse, die die Reifung zu sehr beschleunigen würden.

Der Blick aufs Etikett und damit auf das Herkunftsland ist gerade am heutigen Iss-eine-Kiwi-Tag dringend anzuraten. Und zwar weniger aus Gründen der Frucht, sondern aus solchen des Umweltschutzes. Die Kiwis in den österreichischen Supermärkten, die aus Italien kommen, haben zwar einen vergleichsweise kurzen Transportweg hinter sich. Doch die aus Neuseeland kommen auch per Schiff und Luftfracht, und Schiffe wie Flugzeuge gehören zu den größten Umweltsündern überhaupt. Frachter fahren mit dem schmutzigsten Treibstoff von allen, mit Schweröl, mit einem Verbrauch von bis zu 200 Tonnen am Tag. Allein die 20 größten Frachter stoßen so viel Schwefeloxid aus wie alle Autos weltweit. Vier Prozent aller Treibhausgasausstöße gehen auf das Konto der Frachtschiffe.

Was nützt es also, wenn man die eigene Gesundheit zwar durch den Genuss von Kiwis mit ihrer Unmenge an Vitamin C fördert, das aber auf Kosten der Umwelt macht?

Womit im Grund alle unwesentlichen Fragen zu der Frucht geklärt wären - nur nicht die eine: löffeln oder schälen?

Am besten selbst ausprobieren. - Lassen Sie sich’s schmecken!