Wien. Vom Fotomuseum über die Zukunft des "Haus der Geschichte Österreich" bis hin zur neuen Direktion des Technischen Museums: Zahlreiche Fragen bleiben in der Kulturpolitik offen. Auf der Haben-Seite verbucht Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) die Teilschenkung Sammlung Essl an die Albertina sowie die Verlängerung von Direktor Klaus Albrecht Schröder. Wenig Glück hatte man mit dem Bundesdenkmalamt.

Personalia

Die großen Tanker Staatsoper, Burgtheater und Kunsthistorisches Museum (KHM) hatte noch Blümels Vorgänger Thomas Drozda (SPÖ) besetzt. Was übrig blieb, war die Neuausschreibung der Leitungen des Bundesdenkmalamts, der Albertina und jene des Technischen Museums (TMW). Während Klaus Albrecht Schröder Ende März 2019 als Albertina-Generaldirektor wieder bestellt wurde, ist die Nachbesetzung Gabriele Zuna-Kratkys noch offen.

Pech hatte Blümel mit der Neubestellung der Leitung des Bundesdenkmalamts. Nach dem verheerenden Rechnungshofbericht im Jahr 2017 war eine Neuausschreibung des Postens lange nicht erfolgt, Präsidentin Barbara Neubauer war im Sommer 2018 ohne Nachfolger abgegangen. Erst im Herbst wurde ausgeschrieben, im Anschluss präsentierte Blümel die Verwaltungsrichterin Erika Pieler, die "Service und Transparenz" als Parole ausgab und ihr Amt am 1. Jänner 2019 antrat, um dieses Mitte März "aus persönlichen Gründen" wieder zurückzulegen. Es erfolgte eine Neuausschreibung, aus der Christoph Bazil - bisheriger Leiter der Abteilung für Kunstrückgabeangelegenheiten in der Kunst- und Kultursektion - als Nachfolger hervorging. Sein Fokus lieg auf einem "klaren und scharfen Aufgabenprofil, Transparenz und Bürgernähe im Denkmalschutz", ließ dieser wissen. Antreten wird Bazil seine Funktion am 1. Juni, der Vertrag läuft für fünf Jahre.

Vergabepraxis

Eine Neuordnung der Vergabepraxis für die Teilnahme an der Biennale in Venedig kündigte Blümel im Herbst 2018 an: Bisher eine Einzelentscheidung des jeweiligen Ministers, soll künftig eine Jury bei der Wahl des Kurators mitverantwortlich zeichnen. Die administrativen Verantwortung, die künftig getrennt von der künstlerischen/architektonischen Umsetzung über mehrere Jahre hinweg agieren soll, übernimmt nach einer Ausschreibung die section.a.

Demnächst müsste auch die Leitung des mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig neu ausgeschrieben werden. Der Vertrag von Direktorin Karola Kraus läuft bis zum Herbst 2020.

Ansonsten gab es kaum große Personalentscheidungen. Erst kürzlich wurde Blümel allerdings für die Neuzusammensetzung des Filmförderungsbeirats kritisiert: Branchenintern sorgte die Bestellung der Produzenten Oliver Auspitz (MR Film) und Alexander Glehr (Nowotny Film) sowie des Schauspielers und ehemaligen Puls4-Redakteurs Hannes Fretzer für "Irritation", da diese über keine Erfahrung im Bereich des "innovativen Films" verfügten. Wenig später folgte die Nominierung für den Museumsbeirat, den Blümel von sechs auf vier Personen verkleinerte. Für die aktuelle Periode bis 2021 wurden nun Andreas Rudigier (Direktor vorarlberg museum), Michael Weese (Direktor Salzburger Freilichtmuseum), Danielle Spera (Direktorin Jüdisches Museum Wien) und die Kulturvermittlerin Helga Steinacher berufen.

Museen

Im Regierungsprogramm fand sich der Plan einer Erarbeitung einer "gesamthafte Museenstrategie". Ende März 2019 präsentierte Blümel schließlich die nächsten Schritte: Am 1. Jänner 2020 sollte eine Service-Gesellschaft ihre Arbeit aufnehmen, um die Bundesmuseenkonferenz "operativ zu unterstützen". Ebenfalls geplant: die Position des Generalsekretärs, der dem jeweiligen Vorsitzenden zur Seite stehen soll. Durch die Maßnahme erwartete sich Blümel künftig Einsparungen im einstelligen Millionenbereich durch "strategische Planung und Koordinierung". Die Umsetzung dieser Vorhaben ist derzeit fraglich. Somit gelang es auch Blümel - ebenso wie seinem Vorgänger - nicht, die wesentlichen Punkte des "Weißbuchs Bundesmuseen" umzusetzen.

Nach wie vor offen ist der jahrelange Ruf eines gemeinsamen Kollektivvertrags für die Bundesmuseen, umgesetzt wurde hingegen eine umstrittene "BundesMuseenCard": diese ermöglicht für 59 Euro innerhalb eines Jahres je einen Eintritt in den acht beteiligten Institutionen, was für Kritik sorgte. Ursprünglich war eine gemeinsame Jahreskarte mit unbeschränkten Eintritten gefordert worden. Dies sei laut Blümel nicht finanzierbar gewesen.

Haus der Geschichte

Das im Anfang November 2018 eröffnete Haus der Geschichte Österreich (hdgö) wird einer Evaluierung unterzogen. Bis zum Sommer 2019 war ein Konzept für die Zukunft des in der Neuen Burg untergebrachten Hauses angekündigt. Die Eckpfeiler der geplanten Weiterentwicklung hatten Blümel und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) bereits vor der Eröffnung abgesteckt: Unter anderem soll das hdgö aus dem Verband der Österreichischen Nationalbibliothek herausgelöst und stärker an das Parlament angebunden werden.

Nach wie vor offen ist die Schaffung eines Fotomuseums: Für 2019 war die Präsentation einer Machbarkeitsstudie für ein solches Haus in Salzburg angekündigt worden, einen konkreten Termin dafür gab es nicht.

Für Diskussionen sorgte die Schenkung der Sammlung Essl an die Albertina: Karlheinz Essl übertrug dem Museum 1.323 Kunstwerke, die 2.134 Einzelobjekte umfassen. Dabei handelt es sich um jene 40 Prozent der SE Sammlung Essl GmbH, die bisher im Besitz der Familie Essl waren. Gezeigt wird die Sammlung künftig im Künstlerhaus, das der Industrielle Hans-Peter Haselsteiner derzeit um 40 Mio. Euro renovieren lässt. Seiner Stiftung gehören weiterhin 60 Prozent der gesamten Sammlung.

Theater


Der im Herbst antretende Burgtheaterdirektor Martin Kusej wird wohl auch weiterhin um die zwei zentralen Forderungen seitens der Bundestheater kämpfen müssen: Valorisierungen blieben unter Blümel ebenso Zukunftsträume wie die von Bundestheater-Holding-Chef Christian Kircher gehegte Hoffnung auf eine baldige Erhöhung der Basisabgeltung.

Bestimmt wird die neue Leitung des Volkstheaters zwar von der betreffenden Privatstiftung (und de facto von der Stadt Wien), der Bund hat aber zumindest indirekt Einfluss auf die Zukunft des gebeutelten Hauses. So hat Blümel zwar nach zähen Verhandlungen zugestimmt, den von der Vorgängerregierung angekündigten, aber nicht budgetierten Beitrag zur Sanierung des Hauses von bis zu 12 Mio. Euro bereitzustellen, eine Subventionserhöhung für den laufenden Betrieb schloss er jedoch kategorisch aus. Diese muss nun die Stadt - dem Vernehmen nach werden es zwei Mio. Euro sein - selbst stemmen.

Anders beim Theater in der Josefstadt: Dort gaben Bund und Stadt im Herbst 2018 eine Subventionserhöhung von insgesamt 1,645 Mio. Euro bekannt, wobei die Stadt Wien 875.000 Euro beisteuerte.

Ballettakademie

Keine wesentlichen Schritte gab es bei der Umsetzung der "Baukulturellen Leitlinien des Bundes"; ebenso keine sichtbaren Ergebnisse zeitigte der Austausch mit den Landeskulturreferenten in Sachen gemeinsamer "Kunst- und Kulturstrategie".

Beide berufliche Seelen als Europa- und Kulturminister konnte Blümel dann im Rahmen des EU-Ratsvorsitzes ab 1. Juli 2018 einbringen. So verantwortete er auch das damit verbundene Kulturprogramm, das routiniert auf die klassischen Österreich-Bilder setzte. Klimt, Philharmoniker und die Kaiserkrone bildeten die Trias. Allein in Brüssel waren 17 Veranstaltungen angesetzt - darunter die Bespielung der Metrostationen und der EU-Institutionen mit heimischer Musik, während es im Kulturzentrum Bozar die Belvedere-Ausstellung "Beyond Klimt" und in den Musees Royaux des Beaux Arts eine Brüssel-Variante des KHM-Erfolgsformats "Ganymed" gab. Nachgerade monarchistisch kam das "Museum in a Nutshell" daher - ein Kubus aus Werbeplakaten mit einem Best-of der Bundesmuseen, an dessen Eingang als Großabbildung die Reichskrone als Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reichs prangte. Zukunftsweisender fielen da die beiden in Wien abgehaltenen Konferenzen "Challenging (the) Content" und "#EuropeForCulture" aus.

Nach dem Skandal um die Missbrauchsvorwürfe an der Wiener Ballettakademie beauftragte Blümel im April 2019 die Einrichtung einer Sonderkommission. Diese hat ihre Arbeit bereits aufgenommen und zunächst eine eigenständige Clearingstelle eingerichtet. Das Gremium unter Leitung von Verfassungsgerichtshofspräsidentin Brigitte Bierlein will im Juli einen ersten Zwischenbericht vorlegen, der Abschlussbericht soll im Herbst fertig sein.

Urheberrecht


In Sachen Urheberrecht hat sich Blümel für die im Frühjahr auf EU-Ebene beschlossene Reform stark gemacht. Trotz reichlich Kritik von Experten und der Zivilgesellschaft an sogenannten "Upload-Filtern", sah der Kulturministerin dank der Richtlinie "einen wichtigen Schritt in Richtung Gerechtigkeit gesetzt". Damit sei es aus seiner Sicht auch möglich, "multinationale Online-Giganten in die Verantwortung" zu nehmen. Nach der Abstimmung der EU-Staaten Mitte April haben diese nun zwei Jahre Zeit, die Copyright-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Schlagworte aus dem Regierungsprogramm, die sich in weiterer Folge nicht mehr wiedergefunden haben, sind unter anderem die Schaffung eines (vollrechtsfähigen) Denkmalfonds, die Schaffung einer Internetplattform für österreichische Künstler, die Novellierung des Kunstförderungsgesetzes, die Neuaufstellung der Bundestheaterholding oder die Errichtung eines Analogen Film-Preservation-Centers.

Das im Programm verankerte Bekenntnis zur UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen gab es hingegen: Im Zuge des umstrittenen Heumarkt-Projekts hat Blümel gegenüber der UNESCO versprochen, dass der Bund bereit sei, "alle Maßnahmen, inklusive rechtlicher Schritte, zu ergreifen", um Wiens historisches Zentrum auf der Welterbe-Liste zu erhalten. (apa)