Sie passen wunderbar in jede Tasche: Mit rund 12 Zentimetern Breite und 19 Zentimetern Höhe finden die ungarische Philosophin Ágnes Heller und ihr polnischer Kollege Zygmunt Bauman locker auch im Gesäßfach jeder gängigen Bluejean Platz. Vom Fassungsvermögen von Damen-Handtaschen erst gar nicht zu reden! - Also, natürlich passen nicht die Autoren selbst dort hinein, aber dafür ihre neu aufgelegten Werke in Druckform.

Überlegt-abgerundete Bücherecken stellen sicher, dass weder die Textilien noch die Einbände beim Einstecken auch bestimmt nirgendwo einreißen. Anders ist das wohl mit den hinreißenden Gedanken in den Büchern.

Heller und Bauman

Philosophie für die Westentasche bietet die neue Buchreihe "Kanten" der "Edition Konturen. Wien/Hamburg": Hellers "Paradox Europa" und Baumans "Stadt der Ängste - Stadt der Hoffnungen" bilden die Piloten des neuen Verlagsproduktes von Georg Hauptfeld.

Leicht verdauliche Kost

Knapp fünf Millimeter Dicke der Bände machen geistig schwere Kost in der Portionierung doch wieder leicht verdaulich. Denn die Bücher sind nicht bloß handlich, sondern sie sind auch noch im Längsformat bedruckt. Das macht - trotz ihres Miniformats - eine gar nicht allzu kleine Druckschrift möglich. Layout und die ganze Gestaltung sind mit einer Spaltenbreite konzipiert, die eine für jeden angenehme Lesbarkeit erlauben. Denn sie nimmt somit selbst auf müde gewordene Augen Rücksicht, die schon Gleitsichtbrillen brauchen.

Georg Hauptfeld hatte die zündende Idee für die neue Form auf der Frankfurter Buchmesse: "Es gibt nämlich zum Bücher Lesen so wenig sinnvolle Innovationen. Die gedrehte Form ermöglicht aber zum Beispiel auch den Daumen einen besseren Halt", erzählt er der "Wiener Zeitung". Als Vorbild dienten ihm die "Dwarsligger" (auf Deutsch: Querlieger), die parallel zum Rücken gedruckten Bücher, die in den Niederlanden Furore machen.

"Ich glaube, für längere Essays ist dieses Format in Zukunft zunehmend interessant", meint Hauptfeld. Welche philosophischen Werke schon im Herbst in seiner neuen Reihe erscheinen werden, will der Verleger derzeit noch nicht verraten. Aber auch diese sollen - wie auch schon seine Erstlinge von Heller und Bauman - nicht mehr als zwölf Euro pro Ausgabe kosten.