- A so a Hitz, des hoet ma jo ned aus. Froh bin i, waun da Summa voabei is...!

Nicht zum derlesen ist das? - Schnell ins Hochdeutsche gewechselt (aber, bitte, unbedingt mit wienerischem Akzent lesen:)

- So eine Hitze, das hält man ja nicht aus. Froh bin ich, wenn der Sommer vorbei ist.

- Aber vor drei Wochen war Ihnen noch viel zu kalt.

- Sowieso. Vor drei Wochen habe ich noch eingeheizt.

- Und was wollen Sie jetzt eigentlich? Dass es warm ist oder dass es kalt ist?

- Schauen Sie, das ist ganz einfach: Es soll immer so sein, wie es gerade nicht ist.

Weshalb der wienerische Akzent vonnöten ist? Weil gerade dem Wiener die Unzufriedenheit nachgesagt wird, die beständige Suche nach dem Haar in der Suppe, der daraus resultierende Grant als Grundbefindlichkeit.

Unzufriedenheit überall

Vielleicht ist das ja nicht einmal so falsch. Klischees werden schließlich nicht von ungefähr zu Klischees.

Und es bleibt schließlich nicht beim Wetter. (Obwohl, zugegeben, man angesichts der derzeitigen Temperaturen glatt auf die Idee kommen könnte, die Freitags-Klimademonstranten hätten wirklich mehr den Klimaschutz als das verlängerte Wochenende im Sinn.) Karl zum Beispiel hat einen Urlaub auf Rhodos gebucht und fragt sich, ob nicht Ischia die bessere Wahl gewesen wäre, zumal er voriges Jahr in Ischia recht zufrieden war und eigentlich gar nicht versteht, was ihn, am Maronti-Strand unter einem Sonnenschirm liegend und eine Limonade aus frisch gepressten Zitronen schlürfend, auf die Idee gebracht hat, lieber in Rhodos zu sein. (Er wird, am Faliraki-Strand, unter einem Sonnenschirm eine Limonade aus frisch gepressten Zitronen schlürfend, von einer Sehnsucht nach Capri erfasst werden, man braucht keine Pythia zu sein für diese Prophezeiung.)

Karin wiederum hat eben einen neuen viertürigen Peugeot erstanden und überlegt, ob nicht ein Zweitürer doch ein flotterer Flitzer gewesen wäre, abgesehen davon, dass der Kia möglicherweise die noch bessere Wahl gewesen wäre.

Paul wiederum hat sich zwischen dem grünen und dem blauen Poloshirt nicht entscheiden können, beide gekauft und ist jetzt überzeugt, dass ihm sowohl das gelbe als auch das rote besser stehen würde.

Vera hat jetzt ein neues Fahrrad, ein E-Bike, und während sie auf dem Donauradweg von Melk nach Krems anstrengungslos dahinradelt, denkt sie, dass sie mit einem rein mechanischen Fahrrad mehr Sport betreiben würde und E-Bikes, genau genommen, gar keine Fahrräder wären, sondern halbe Mofas, und eigentlich hätte sie ihre Kaufentscheidung noch ein, zwei Nächte überschlafen sollen.