Rom.  Trotz sengender Hitze sind am Montag tausende Touristen und Einwohner Roms mit einer Blume in der Hand zum Rathaus Palazzo Vecchio in Florenz gepilgert, um sich von Franco Zeffirelli zu verabschieden. Zeffirelli ist am 15. Juni in Rom im Alter von 96 Jahren gestorben. Der Sarg des Film- und Opernregisseurs wurde im prunkvollen Saal "Salone dei Cinquecento" aufgestellt.

Intellektuelle, Künstler und Politiker nahmen von Zeffirelli Abschied. Ein Ensemble des Florentiner Theaters "Maggio Musicale Fiorentino" spielte ein "Adagio" von Mozart zu Ehren des Regisseurs. Im Saal wurde ein Video mit Opern Zeffirellis gezeigt.

Eine Trauerzeremonie zu Ehren Zeffirellis ist am Dienstag im Dom von Florenz geplant. Der Bürgermeister von Florenz rief für Dienstag einen Trauertag in der Stadt aus. Zeffirelli soll auf dem Hauptfriedhof von Florenz beerdigt werden.

Anhänger des Regietheaters trieben seine Inszenierungen regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Wer Oper als Oper sehen wollte, so, wie sie der Librettist gedichtet und der Komponist in Partitur gesetzt hatte, sozusagen das Werk pur auf die Bühne gebracht, der liebte Franco Zeffirelli.

Bei dem Wort "pur" stockten die schreibenden Finger für einen Moment: Denkt man bei "pur" nicht auch "karg", "unverschnörkelt", "reduziert auf das Wichtigste" dazu?

Berühmte Aida

Zeffirellis Inszenierungen waren das Gegenteil davon: Minimalismus war seine Sache nicht. Er liebte detailfreudige Bühnenbilder und Kostüme, ohne sich immer um die historische und lokale Korrektheit kümmern. Manchmal schon - manchmal nicht. In seiner Inszenierung von Giacomo Puccinis "La Bohème" an der Wiener Staatsoper etwa zauberte er ein als solches deutlich erkennbares Paris auf die Bühne, das teils Liebeserklärung ist, teils mit einzigartiger Wintertrostlosigkeit den Zuschauer frösteln macht.

Berühmt ist Zeffirelli aber vor allem für seine Inszenierungen von Giuseppe Verdis "Aida". Zuerst verwandelte er die Aufführungen in ein historisch informiertes Kolleg über das antike Ägypten, später hielt er es eher mit der Postmoderne. An der Opulenz änderte das nichts, im Gegenteil: Es war jetzt eher noch mehr Gold auf der Bühne als weniger. "Hollywood" mäkelte die Kritik und merkte nicht, vielleicht, weil man es Zeffirelli einfach nicht zutrauen wollte, wie vieles da unter Anführungszeichen gesetzt war.

Aber Zeffirellis große Kunst war ohnedies primär, eine Geschichte durch die Menschen selbst, durch seine Akteure zu erzählen. Er erreichte auf der Opernbühne tatsächlich erstaunliche Darstellerleistungen schon in einer Zeit, da Oper noch darin bestand, dass die Sänger an die Rampe traten und schmelzenden Legati mit hohen Tönen krönten. Anders gesagt: Zeffirelli war einer der ersten Regisseure, bei denen Oper mehr war als ein Arrangement von Positionen.

Dass er das vermochte, dass ihm solches überhaupt in den Sinn kam, hatte zweifellos mit seinem künstlerischen Vorleben zu tun - Zeffirelli kam nämlich eigentlich vom Film.

Als Partisan gegen die Faschisten

Der am 12. Februar in Florenz als Gianfranco Corsi geborene Franco Zeffirelli hatte im Zweiten Weltkrieg an der Seite der Partisanen gegen die Faschisten und gegen Hitler gekämpft. Nun studierte er Kunst und Architektur in seiner Heimatstadt. Sein Name birgt das Geheimnis seiner Eltern: Beide waren verheiratet - allerdings nicht miteinander. Um die Affäre unkenntlich zu machen, wählte die Mutter für den Buben als Name "Zeffiretti" nach den sanften Brisen in Mozarts "Idomeneo". Durch einen Schreibfehler wurde daraus Zeffirelli.