Franco Zeffirelli als Senator des Parlaments. Der Regisseur arbeitete für Film, Oper und Berlusconi. - © dpa/dpaweb/Photopress/Photopress Cortellino
Franco Zeffirelli als Senator des Parlaments. Der Regisseur arbeitete für Film, Oper und Berlusconi. - © dpa/dpaweb/Photopress/Photopress Cortellino

Rom. Das Opernpublikum trauert um Franco Zeffirelli. Der italienische Regisseur ist am 15. Juni in Rom gestorben.

Anhänger des Regietheaters trieben die Inszenierungen Zeffirellis regelmäßig an den Rand der Verzweiflung. Wer Oper als Oper sehen wollte, so, wie sie der Librettist gedichtet und der Komponist in Partitur gesetzt hatte, sozusagendas Werk pur auf die Bühne gebracht, der liebte Franco Zeffirelli.

Bei dem Wort "pur" stockten die schreibenden Finger für einen Moment: Denkt man bei "pur" nicht auch "karg", "unverschnörkelt", "reduziert auf das Wichtigste" dazu?

Maßstab "Aida"

Zeffirellis Inszenierungen waren das Gegenteil davon: Minimalismus war seine Sache nicht. Er liebte detailfreudige Bühnenbilder und Kostüme, ohne sich immer um die historische und lokale Korrektheit kümmern. Manchmal schon - manchmal nicht. In seiner Inszenierung von Giacomo Puccinis "La Bohème" an der Wiener Staatsoper etwa zauberte er ein als solches deutlich erkennbares Paris auf die Bühne. Berühmt ist Zeffirelli aber vor allem für seine Inszenierungen von Giuseppe Verdis "Aida". Zuerst verwandelte er die Aufführungen in ein historisch informiertes Kolleg über das antike Ägypten, später hielt er es eher mit der Postmoderne. An der Opulenz änderte das nichts. "Hollywood" mäkelte die Kritik und merkte nicht, wie vieles da unter Anführungszeichen gesetzt war.

Aber Zeffirellis große Kunst war ohnedies primär, eine Geschichte durch die Menschen selbst zu erzählen. Anders gesagt: Zeffirelli war einer der ersten Regisseure, bei denen Oper mehr war als ein Arrangement von Positionen.

Dass er das vermochte, dass ihm solches überhaupt in den Sinn kam, hatte zweifellos mit seinem künstlerischen Vorleben zu tun: Zeffirelli kam eigentlich vom Film.

Der am 12. Februar in Florenz als Gianfranco Corsi Geborene hatte im Zweiten Weltkrieg an der Seite der Partisanen gegen die Faschisten und gegen Hitler gekämpft. Nun studierte er Kunst und Architektur in seiner Heimatstadt. Sein Name birgt das Geheimnis seiner Eltern: Beide waren verheiratet - allerdings nicht miteinander. Um die Affäre unkenntlich zu machen, wählte die Mutter für den Buben als Name "Zeffiretti" nach den sanften Brisen in Mozarts "Idomeneo". Durch einen Schreibfehler wurde daraus Zeffirelli.

Zeffirelli verdingte sich als Szenenmaler beim Film. Luchino Visconti machte ihn zu seinem Assistenten. Vittorio de Sica und Roberto Rossellini waren für Zeffirelli weitere Orientierungspunkte.

In den 1950er und 1960er Jahren begann Zeffirelli, gefördert vom größten Star dieser Zeit, Maria Callas, an der Oper zu arbeiten. 1967 startete er als Filmregisseur mit "Der Widerspenstigen Zähmung" mit Elizabeth Taylor und Richard Burton durch. Ein Jahr später verbuchte er seinen anerkanntesten Filmerfolg mit "Romeo und Julia", Leonard Whiting und Olivia Hussey faszinierten in den Titelrollen, Nino Rota schrieb die betörende Filmmusik. Im Film "Bruder Sonne, Schwester Mond" über Franz von Assisi und dem monumentalen "Jesus von Nazareth" manifestiert Zeffirelli dann seine katholische Überzeugung.

Einerseits wirken Zeffirellis Filme in ihrer Spannung zwischen Natürlichkeit und Pathos opernhaft, andererseits brachte Zeffirelli die Genauigkeit der Personenführung, bei der selbst die Gesichtsmimik relevant ist, in die Oper ein, die er fast wie gesungenen Film behandelte.

Zwischen den Stühlen

Mit seinen religiösen Filmen setzte sich Zeffirelli freilich zwischen zwei Stühle: Streng katholische Kreise kritisierten ihn als "blasphemisch", Homosexuellengruppierungen mahnten, er als Homosexueller könne doch nicht die Sache der in solchen Fragen restriktiven Kirche vertreten.

Ein weiteres Mal sorgte er für Irritation, als er 1994 (bis 2001) als Senator von Silvio Berlusconis Forza Italiana ins Parlament ging.

Der weltweit gefeierte Opernregisseur krönte seine Laufbahn mit zwei kühnen Filmen: "Tee mit Mussolini" und "Callas Forever" polarisierten die Kritik, die Langeweile und billige Produktion, aber auch tiefe Einsicht in menschliche Befindlichkeiten ortete.

Zu dieser Zeit warf man Zeffirellis Opernregien längst Kitsch vor - und übersah dabei geflissentlich, wie gut sie im Repertoire funktionierten. Krach gab es, als der Scala-Direktor Alexander Pereira im Jahr 2014 die "Aida"-Inszenierung in die kasachische Hauptstadt Astana verkaufte und durch Regietheater ersetzte. Vor allem das Publikum wusste der heftig, aber erfolglos protestierende Zeffirelli auf seiner Seite.