Wien/Berlin. Mehrere Institutionen und Experten zeigen sich in einer gemeinsamen Erklärung solidarisch mit dem Jüdischen Museum Berlin, dessen Direktor Peter Schäfer kürzlich nach scharfer Kritik am Haus zurückgetreten ist. Man beobachte die Angriffe mit "Besorgnis". Schon länger werde "die Arbeit des Museums mit seinen erstklassigen öffentlichen Programmen und Ausstellungen diskreditiert".

Der u.a. von Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums in Hohenems, unterzeichnete Aufruf richtet sich an die politischen Verantwortlichen in Deutschland sowie den Vorstand des Museums. Diese seien gefordert, "die Einrichtung vor öffentlichen Schmähungen und Angriffen zu schützen und dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Fortsetzung ihrer hervorragenden Arbeit in einer offenen Atmosphäre unterstützt werden".

Unterstützung für Schäfer kommt auch von 45  Talmud-Gelehrten, die einen offenen Brief unterschrieben, in dem sie eine "wachsende Zensur und die Einschränkung der Redefreiheit" in Deutschland beklagten. Einer der Urheber des Briefs, Ishay Rosen Zvi von der Universität Tel Aviv, nannte es "empörend", dass Schäfer Antisemitismus vorgeworfen worden sei. Schäfer selbst ist Talmud-Gelehrter und genießt als Judaist einen internationalen Ruf.

Kritik an Direktor Schäfer

Bisher letzter Stein des Anstoßes ist, dass das Museum eine Leseempfehlung für einen Artikel über die antiisraelische Kampagne BDS gegeben hat. Diese stammt zwar nicht von Schäfer selbst, doch wird der Direktor für die Positionierung des Hauses verantwortlich gemacht. So hatte bereits im vergangenen Jahr der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die deutsche Kanzlerin Angela Merkel aufgefordert, die Ausstellung "Welcome to Jerusalem" abzusetzen, da das Museum in ihr einseitig die palästinensische Sicht auf die Stadt dargestellt haben soll. Netanjahu drängte darauf, Merkel solle die Finanzierung des Museums einstellen. Die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters  wies energisch Netanjahus Ansinnen als unzulässige Einmischung zurück.

Kritik gab es auch, nachdem Schäfer den iranischen Kulturattaché im Museum zum Besuch empfangen hatte, also einen Vertreter jenes Landes, das die Auslöschung Israels zur Staatsräson erklärt hat. Der Direktor räumte ein, die Einladung sei ein Fehler gewesen.

Forderung nach jüdischerem Museum

Nachdem jüngst nun Jüngst nun das Museum einen "taz"-Artikel getwittert hatte, in dem israelische und jüdische Wissenschafter den Bundestagsbeschluss kritisierten, die BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) gegen Israel als antisemitisch einzustufen,  erklärte der Zentralrat der Juden: "Das Maß ist voll. Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein." Zuvor hatte der Zentralrat bereits gefordert, das Museum müsse "jüdischer" werden. Viele Juden in Deutschland sollen sich im Jüdischen Museum Berlin nicht wiedererkannt haben, und die nicht jüdische Welt, so die Kritik, habe zu wenig über das Judentum erfahren.

Die Solidaritätserklärung nun weist die Anschuldigungen "auf das Schärfste" zurück, dass sich das Museum "nichtjüdisch" verhalten habe. Das Museum habe vielmehr versucht, unterschiedliche Stimmen zuzulassen und Themen divers zu diskutieren, "was heute wieder in besonderem Maße vonnöten ist. Dafür wird es nun abgestraft."

Neben Loewy finden sich unter den Unterzeichnern aus Großbritannien, der Schweiz, Griechenland oder den Niederlanden auch die scheidende Rektorin der Akademie der bildenden Künste, Eva Blimlinger, oder Martha Keil vom Institut für jüdische Geschichte Österreichs. (apa/red)