Paris. Für die bei dem Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame zerstörte Kirchenuhr gibt es neue Hoffnung: Durch einen Zufall hat der Uhrmachermeister Jean-Baptiste Viot bei einer Inventur in der Kirche Sainte-Trinite im Zentrum der französischen Hauptstadt ein fast identisches Uhrwerk gefunden. Damit kann das Meisterwerk aus dem Jahr 1867 restauriert werden.

"Es ist unglaublich. Es ist die gleiche Uhr", sagte Viot zu seinem Fund auf dem Dachboden der Kirche, die nur wenige Kilometer von Notre-Dame entfernt liegt. Die Uhr mit einer aufwendigen Zahnrad-Mechanik auf einem mehrere Meter großen Holzgestell stammt aus der Werkstatt von Armand-Francois Collin. Dieser war einer der großen Pariser Uhrmacher des 19. Jahrhunderts und unter anderem auf Kirchenuhren spezialisiert, die Glocken läuten lassen.

"Das ist ein enormes Glück", betonte Uhrmacher Viot. "Es ist so, als würde man die zweite Ausgabe eines kostbaren Buches finden, das verbrannt ist." Nach dem Modell der Uhr von Sainte-Trinite soll nun die von Notre-Dame nachgebaut werden. Sie befand sich unterhalb des Spitzturms, der bei dem Brand einstürzte. Von dem bei dem Feuer geschmolzenen Uhrwerk gibt es nur Fotos, aber keinen Bauplan.

"Dieser Fund ist ein kleines Wunder", meinte auch Olivier Chandez, Uhrmacher von Notre-Dame. "Dank dieses Modells haben wir nun alle nötigen Maße und können mit der Neuanfertigung beginnen." Nach dem Brand am 15. April hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen Wiederaufbau der Kathedrale innerhalb von fünf Jahren zugesagt.