Wien. (irr) Private Kunstsammler gibt es viele. Solche mit eigenem Museum sind in Wien aber rar gesät. Als Paradebeispiel darf das Leopold Museum gelten: Es reüssiert mit den Schiele-Erwerbungen des verstorbenen Rudolf Leopold im Museumsquartier. Nah am Stadtrand, in Klosterneuburg, hat zudem das Sammlerpaar Essl sein eigenes Museum betrieben. Der Betrieb wurde allerdings 2016 eingestellt; Filetstücke der Kollektion dürften auf Betreiben des Mäzens Hans Peter Haselsteiner künftig im Wiener Künstlerhaus zu besichtigen sein.

Nun bekommt die Stadt neues Blickfutter aus privater Hand: Die Milliardärin Heidi Goëss-Horten lässt in der Innenstadt ein Museum für ihre Kunstschätze errichten. Die Highlights sollen im Hanuschhof eine dauerhafte Heimat finden: Sie werden im Stöcklgebäude, verteilt auf zwei Stockwerke und einen Innenhof, auf 2000 Quadratmetern prangen. Ein Plan, der freilich einen Umbau erfordert: Im Herbst sollen drei ausgewählte Architekturbüros ihre Entwürfe präsentieren, danach wird das Siegerprojekt realisiert. Die Eröffnung des Privatmuseums ist für das Jahr 2022 geplant, die Leitung übernimmt Agnes Husslein-Arco. Die 65-Jährige wird bereits in der Umbauphase federführend tätig sein.

Die Wahl Hussleins kommt nicht von ungefähr. Die Kunstkennerin und Enkelin des Malers Herbert Boeckl hat schon viele Jahre auf Direktorensesseln verbracht: Nach ihrer Zeit am Salzburger Rupertinum und dem Museum der Moderne Salzburg übernahm sie im Jahr 2007 die Österreichische Galerie Belvedere. Berüchtigt durchsetzungsstark, sorgte Husslein an dem Bundesmuseum für frischen Reformwind und Blockbuster-Ausstellungen. Sie avancierte aber auch zur umstrittenen Figur. Zwistigkeiten und Compliance-Vorwürfen kosteten sie im Jahr 2017 eine Vertragsverlängerung.

Dass die Wienerin nun abermals zur Direktorin aufsteigt, verdankt sie wohl auch vertrauensbildenden Maßnahmen. Husslein leistete Horten in der Vergangenheit beratende Dienste und kuratierte mit deren Sammlung auch die Ausstellung "Wow" im Leopold Museum – eine Schau, die im vergangenen Jahr für einen Besucherrekord sorgte.

Eine Sammlung als Hort der großen Namen

Heidi Goëss-Horten, geborene Jelinek, war 1941 als Tochter eines Graveurs in Wien zur Welt gekommen. 1966 heiratete sie den 30 Jahre älteren deutschen Unternehmer Helmut Horten. 1987, nach dem Tod des sogenannte "Kaufhaus-Königs", erbte sie dessen gesamtes Vermögen. Goëss-Horten begann, ihren Reichtum in Kunstwerke zu investieren, kaufte eine Reihe von Chagall-Gemälden bei einer Auktion in Tel Aviv; der nächste Streich waren 34 hochkarätige Werke bei einer Sotheby’s-Auktion in London.

Der deutsche Expressionismus, die italienische Avantgarde, die Pop-Art und vieles mehr häuften sich fortan in Hortens Wohnräumen. Die Sammlung der 78-Jährigen, die als reichste Frau Österreichs gilt, besticht als Hort der großen Namen: Francis Bacon und Georg Baselitz finden sich darin ebenso wie etliche Arbeiten von Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat ist ebenso präsent wie Yves Klein und Lucio Fontana. Auch für die Arbeiten von Damien Hirst, Gerhard Richter und Julian Schnabel hat die Milliardärin ihre Börse geöffnet sowie die Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Franz Marc und Emil Nolde ebenso wenig verschmäht.

Zuletzt war Horten durch das "Ibiza-Video" in die Schlagzeilen geraten: FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache hatte im Gespräch mit der vermeintlichen Oligarchennichte behauptet, die kaufkräftige Kunstsammlerin würde auch seine Partei unterstützen. Horten wies dies zurück, Strache entschuldigte sich später für die Aussage.