(Petra Paterno)

Nach dem Abendessen im nahen Danieli in der Tuchlauben: "Du... du lädst mich jetzt eh noch auf ein Eis ein, gelt? Weißt sowieso: Pistazie. Sonst mag ich nur Vanille und Erdbeer, aber in Wien kriegt man kein gutes Vanille- und kein gutes Erdbeereis. Das gibt’s nur in Wiener Neustadt. Und ein Stanitzl, keinen Becher. Eis aus dem Becher schmeckt einfach anders. (...) Danke. (...) Iiiih..! Das ist kalt. Ich weiß schon, dass das ein Eis ist. Aber gar so kalt..! Außerdem ist das sicher mit Aroma gemacht. (...) Ich weiß nicht, ich glaube, die haben die Pistazien nicht fein genug gemahlen, ich habe so ein sandiges Gefühl auf der Zunge. (...) Außerdem war es nicht kalt genug. Das Stanitzel ist ja fast aufgeweicht, und meine Finger sind ganz pickig. Außerdem war das sehr süß. Jetzt hab‘ ich einen richtigen Durst bekommen. Du, weißt du was? Du lädst mich jetzt auf einen Campari-Soda in die Sky Bar ein."

(Edwin Baumgartner)

Zitroneneis ist eigentlich ungenießbar. Weil: Die sauerste Erfahrung beim Eisessen lässt sich mit keiner anderen Sorte sinnvoll kombinieren, wird aber in der Eisdiele dennoch beständig nachgefragt. Und das, obwohl sie meist ganz hinten links platziert ist, wo sie eigentlich keiner sieht. Meine Frau sagt: Kinder bis acht lieben es, danach werden sie zu Zitroneneishassern und Zitroneneishasserinnen. Die, die es später immer noch kaufen, sind: Im Job und im Leben dauergelangweilte Menschen, aber auch solche, die sich zu basisch ernähren und einen sauren Ausgleich suchen. Zu den Zitroneneisliebhabern gehören folglich Menschen, die etwa in städtischen Büchereien arbeiten, bei der Bestattung oder im pädagogischen Bereich. Also eigentlich überall dort, wo Spaß nur bedingt anwesend oder zugelassen ist. Oder solche, die auf Bio-Basen-Pulver schwören und auf alles verzichten, was schmeckt. Die Zitronensäure wirkt hier wahre Wunder, denn man weiß ja noch aus der "Sauren-Apfel"-Zeit in der Jugenddisko von früher: Sauer macht lustig.

(Matthias Greuling)

Was hat der BWL-Student von Welt bloß gemacht, bevor es Salted Caramel Brownie von Ben and Jerry’s gab? Denn, mal ganz ehrlich: Den blauen Pullover von Polo, neckisch um den Hals geschlagen, kann sich heute wegen den verdammten Outlet Stores jeder Büro-Heini leisten. Und die Rolex Oyster Perpetual am Handgelenk gibt’s am Strand von Pattaya um 20 Euro. Steht ja nicht drauf, dass die wirklich echt ist!! Aber beim Eis scheidet sich Spreu vom Weizen. Jene, die sich dank Papas Konto den Becher um 6,90 locker leisten können, und die bitteren Loser, die mit einem Billig-Twinni zum Rechnungswesen-Proseminar aufkreuzen. Tja, da zeigt sich dann, wer fake ist und wer echt. Da würgt man doch gerne mit gespielter Lässigkeit die widerlich versalzenen Karamel-Cookies runter. Weil schmecken würde das Twinni natürlich besser. Aber man hat einen Ruf zu verlieren.