(Bernhard Baumgartner)

Früher war alles besser. Auch der Luxus. 1976 gab es an der Eskimo-Truhe ein Produkt dieses Namens zu erstehen. Zwar erwies sich die vermeintliche Edel-Viktualie als Holzstangerl, an dem bloß ein breiteres Brickerl pickte. Dafür kostete dieser "Luxus" nur vier Schilling. Für zwei Schilling mehr bot Eskimo damals Fulminanteres: den "Paiper" in Rot-Weiß - einen zylindrischen Zitroneneis-Körper, durchzogen von Himbeer-Adern. Sauer, süß, kalt, künstlich: Der "Paiper" war ein Anschlag auf die Sinne, vor allem, wenn man damit gleichzeitig seinen Spielplatzdurst stillte und den Zuckerpegel in hyperaktive Höhen trieb. Das Knarzen beim Öffnen der Packung (betont umweltfeindliches Plastik, aus dem das Eis mit einem Stiel getrieben wurde) bildete dabei einen ähnlichen Verheißungs-Soundtrack, wie es die Glocke für den Pawlowschen Hund tat. Nur leider: 1986 verschwand "Paiper" von der Eskimo-Karte, und eine Intervention der Siebziger-Schwärmer brachte ihn nur für wenige Jahre zurück. Als Nostalgiker reinsten Eiswassers träumt man seither von einer Renaissance. Oder beordert im Salon zumindest einmal Himbeer-Zitron - und stellt sich zum Verzehr ein seltsames Knarzen vor.

(Christoph Irrgeher)

Es gibt nur ein Eis, das nichts weniger als welterklärend ist. Und das ist das Twinni. Die eisgewordene Falle für Soziopathen, allein schon durch die hinterlistige Schlecker-Architektur: Zwei Eise in einem. Wer ein Twinni allein isst, hat psychoanalytisch schon verloren. Weil bitte, wer isst schon ein Twinni alleine? Da hat‘s doch was. Das machen doch nur Menschen, die auch eine große Milka im Alleingang bampfen und wenn sie wer erwischt, mit vollen Backen sagen: "Weffe Nuff-Nougat?" Aber auch wenn das Twinni geteilt wird, ist das Eis dünn. Nimmt man das grüne, folgt man dem Speiseeis-Mainstream. Um in der Gefrorenes-Analogie zu bleiben: Man ist quasi ein menschliches Cornetto Vanille, obwohl ein Cornetto Heidelbeer - wie ein altbekannter pornografischer Schüttelreim andeutet - viel mehr Sex-Appeal hätte. Na gut, und wer das orangene Twinni nimmt, dazu muss man nun wirklich nicht weiter Worte verlieren. Außer: Warum nicht gleich ein Calippo Palmolive? Am ultimativen Intelligenztest scheitert freilich jeder, der das Twinni zwar teilen will, aber erst drauf kommt, wenn es schon ausgepackt ist. Das Twinni, durch und durch ein Lose-Lose-Schlecker.

(Christina Böck)