Kind oder kein Kind? Sheila Heti sucht auf diese Frage in "Mutterschaft" eine Antwort und greift dafür auf Literatur, Philosophie, Münzwerfen, Kartenlegen und ihre eigene Geschichte zurück. Das Ergebnis ist ein Sammelsurium von Gedanken und Gefühlen.

In ihren Reflexionen und Beschreibungen thematisiert die 37-Jährige ihre Liebesbeziehung zu Miles, der eine Tochter aus einer früheren Partnerschaft hat und kein weiteres Kind möchte, ebenso wie ihre jüdische Herkunft und die Vergangenheit ihrer Familie. Daneben stellt sie die Dialoge mit Freundinnen und Fremden, von denen sie Erkenntnisse und Anregungen für die eigene Antwort erhofft, die aber stimmungsabhängig unterschiedlich ausfällt. Dadurch dreht sich die Autorin emotional und intellektuell im Kreis, was zu Selbstzweifeln, depressiven Verstimmungen oder Spekulationen über das eigene Gebären und den damit verbundenen Aufgaben führt.

Sie wägt die Vor- und Nachteile von Kindern ab, doch sobald sie sich aus rationalen Gründen gegen ein Kind entscheidet, dominiert der emotionale Wunsch, Mutter zu werden. Diese wechselnden Befindlichkeiten lassen sie stagnieren, was für die Autorin und die Leser anstrengend ist. Bedenkenswerte Fragen wie beispielsweise "Wie kann ich der Abwesenheit dieser Erfahrung Ausdruck verleihen, ohne den Mangel in den Vordergrund zu stellen?" oder überlegenswerte Gedanken von ihrer Freundin Erica, die ihr Kind als Absicherung gegen zukünftige Reue bekommen hat, verblassen dadurch ein wenig.