Heraus mit den Spielbrettern! - Der Tag des Schachs ist heute. Der will gefeiert sein. Und wer nicht Schach spielt, der kann zu einem anderen Brettspiel greifen. Was immer an Kriegs-, Siedlungs- und sonstigen Spielen auf Handy und PC installiert sein mag: Wer nicht vor einem Spielbrett sitzt und fieberhaft überlegt, welchen Zug der Gegner machen könnte (oder zitternd hofft, der Gegner möge den Fehler, den man gerade gemacht hat, doch, bitte, bitte, übersehen), der weiß nicht, was Spannung ist.

Spiel für überlegene Geister

Natürlich: Schach. Das königliche Spiel. Denn das steckt ja schon im Namen: Schach leitet sich ab von Schah, was auf Arabisch eben "König" bedeutet. Entstanden ist das Spiel wahrscheinlich in Indien. Die Araber haben es übernommen und durch die islamische Expansion verbreitet.

- © stock.adobe.com/Accent
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Schach gilt als das Spiel für überlegene Geister, für Menschen, deren Kombinationsgabe ans Gedankenlesen grenzt. Schach hat die Aura des Besonderen schon immer gehabt. Nicht von ungefähr ist einer der bizarrsten künstlichen Menschen Wolfgang von Kempelens "Schachtürke" im 18. Jahrhundert. Er hat Napoleon besiegt und sein Geheimnis allen Erklärungsversuchen, von denen einer immerhin von E. A. Poe kam, zum Trotz bewahrt.

Aber selbst das Schachspiel hat Stars gebraucht, um als Spiel ins Bewusstsein der Masse zu dringen. Im konkreten Fall war das der US-Amerikaner Bobby Fischer. Bis zu ihm war die Schachweltmeisterschaft fest in den Händen sowjetischer Spieler. Jetzt, nachdem der Westen durch die Mondlandung seine technische Überlegenheit nachgewiesen hatte, machte ausgerechnet der hypernervöse Fischer mit seinen Skurrilitäten und seinem Antisemitismus Schach zum Symbol des intellektuellen Triumphes der freien Welt über die kommunistische. Der Kalte Krieg als Strategiespiel ausgetragen - das ist immerhin besser als atomare Rüstung, bei der dann die eine oder die andere Seite doch noch auf ganz üble Ideen verfallen kann.

- © David Bush
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Apropos Strategie- und Kriegsspiel: Bei Schach ist das ja eindeutig. Da kämpfen zwei gleich starke Formationen gegeneinander, der bessere Stratege gewinnt. Aber wäre es nicht reizvoll, zu überlegen, ob die kämpferischen Brettspiele nicht auch über die Mentalität der Erfindervölker Auskunft geben? Zum Beispiel Go (Abbildung in der vierten Spalte): Erfunden in China, geprägt auch durch japanischen Geist - beinahe ein Unikum, denn bei diesem Spiel gibt es keine Züge, sondern nur Spielsteinsetzungen. Dadurch bekommt das Spiel einen meditativen Charakter, wie ihn auch chinesische und japanische Philosophien vermitteln. Das schmucklose Spielfeld und die ebenso schmucklosen Spielsteine (man vergleiche das mit manch kostbar geschnitztem Schachspiel oft aus edlen Materialien) haben etwas Minimalistisches, das gut etwa zu den traditionellen Gärten passt. Hier drückt sich das Lebensgefühl in einem Spiel aus.

- © stock.adobe.com/Oddoai
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